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[18. Januar 2007] Computerspielsucht: EU hat Killerspiele im Visier

Die Europäische Union verstärkt den Kampf gegen Killerspiele und Gewaltvideos, ein EU-weites Verbot wird es auf absehbare Zeit aber nicht geben. Das bleibe Sache der Mitgliedstaaten, sagte EU-Justizkommissar Franco Frattini diese Woche nach einem Treffen der europäischen Justizminister in Dresden.

Deutschland werde während seiner EU-Ratspräsidentschaft bis zum Sommer die Lage in allen 27 EU-Staaten analysieren, kündigte Justizministerin Brigitte Zypries an. Alle Staaten sollen zudem verbotene Gewaltspiele an eine zentrale EU-Stelle melden. Nach Art einer Schwarzen Liste könnte das Verbote in anderen Mitgliedstaaten nach sich ziehen, erklärte Frattini. Derzeit können junge Leute in einigen EU-Staaten Spiele kaufen, die in anderen verboten sind. "Wir müssen darauf hinarbeiten, den Schutz von Kindern auf einem möglichst hohen Niveau zu harmonisieren", sagte Frattini, der zudem mit den europäischen Herstellern und Vertreibern über eine freiwillige Selbstkontrolle reden will.

Die neue österreichische Justizministerin Maria Berger will die EU-Initiative grundsätzlich unterstützen, wobei allerdings das Strafrecht nicht die erste Wahl sein könne, wenn es in vielen Fällen "um Kinder geht, die noch nicht einmal strafmündig sind". Vielmehr favorisiert Berger "präventive Maßnahmen über den ganzen Bildungsbereich".

Laut Christian Pfeiffer, dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, wird derzeit in Deutschland ein Umsatz von 1,2 Milliarden Euro mit Computerspielen erzielt. Er schätzt den Anteil der süchtigen Computerspieler auf 40 Prozent, wobei es auch eine Diskrepanz zwischen Computer und Schulleistung gebe. Und er kritisierte die nach dem Amoklauf eines Schülers in Erfurt 2002 ins Leben gerufene freiwillige Selbstkontrolle für Unterhaltungssoftware: Diese bediene sich einer Reihe von Testern, die gleichzeitig die Industrie berieten.

Quellen: Standard / SN

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