[14. Mai 2007] Prävention a la Milanese
Ein nicht gerade nachahmenswertes Modell von Suchtvorbeugung schwebt den Behörden von Mailand derzeit vor. Denn die Gesundheitsbeauftragten der norditalienischen Metropole planen, dass Eltern in den Apotheken der Stadt kostenlos einen Urintest erhalten, mit dem sie bei ihren Kindern einen möglichen Drogenkonsum nachweisen können.
Das Projekt löste heftigen Widerspruch aus. Als Initiatorin des Drogentests rechtfertigte es die Mailänder Gesundheitsbeauftrate Carla De Albertis: "Es ist eine Entscheidung, die ich als städtische Beauftragte getroffen habe und als Mutter", sagte die Politikerin der rechtskonservativen Nationalen Allianz. Die Familie müsse "ein Instrument der Erziehung" sein, dass in der Lage sei, den Drogenkonsum von Jugendlichen zu bremsen.
Kritiker werfen De Alberti vor, Propaganda zu betreiben, statt nach wirklichen Lösungen im Kampf gegen Drogen zu suchen. Rino Gigoldi, der in Mailand einen Hilfeverein für straffällig gewordene Jugendliche leitet, bezeichnete den Vorstoß als "gefährlich" und sagte, die Maßnahme könne das Misstrauen zwischen Eltern und Kindern verstärken. Mitte-Links-Parteien bezeichneten die Aktion als unannehmbar. "Man darf Eltern nicht in Polizisten verwandeln", kritisierten Politiker.
In einem Probelauf sollen zunächst 4000 Familien aus einem südlichen Stadtteil von Mailand Drogen-Tests erhalten. Schrittweise sollen die dafür benötigten Gutscheine dann in der ganzen Stadt verteilt werden. Mailands Bürgermeister gehört der rechtsgerichteten Forza Italia von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi an.
Quellen: Spiegel Online, ORF ON




