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[16. April 2008] Frankreichs Offensive gegen Magersucht

Das französische Parlament hat einen ungewöhnlichen Gesetzesvorschlag verabschiedet: Die "Anstiftung zu Anorexie" soll künftig unter Strafe gestellt werden. Der Gesetzestext fordert zwei Jahre Gefängnis und 30 000 Euro Höchststrafe für "denjenigen, der andere anspornt, exzessiv abzunehmen". Und bis zu drei Jahre und 45 000 Euro Strafe, wenn die Extremhungerkur tödlich endet. Das ist bei 5,6 Prozent der Anorexiekranken innerhalb von zehn Jahren und bei 20 Prozent langfristig der Fall. Betroffen von der psychologischen Störung sind in Frankreich 30 000 bis 40 000 Menschen, vor allem Frauen.

Die Abgeordnete Valérie Boyer (UMP), treibende Kraft hinter der Gesetzesinitiative, hat in erster Linie Internetseiten und Blogs im Visier. So wie etwa das Blog "Pro ana", das Anorexie nicht als Krankheit sieht, sondern als Lifestyle, und diesen mit Fotos knochiger Vorbilder propagiert. Auch Modemagazine und die Werbung macht die Abgeordnete mitverantwortlich am Schlankheits- und Diätwahn. "Wenn die Regelung im Strafrecht verankert ist, ist der Richter gefragt. Er muss den eindeutigen Zusammenhang zwischen der Krankheit eines Models und demjenigen feststellen, der es fotografiert", umreißt Boyer die Schwierigkeit, der Magersucht juristisch zu Leibe zu rücken.

Abgelehnt hatte die französische Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot-Narquin, Models auf dem Weg zum Laufsteg über eine Waage zu schicken – wie das in Spanien geschieht: "Das ist unter den Würde der Models." Denn parallel zum Gesetzesvorschlag setzt die Ministerin auf Aufklärung und freiwillige Selbstkontrolle. Vertreter der Mode, der Werbung und der Medien unterschrieben am 9. April eine "Charta gegen Anorexie", in der sich die Unterzeichner gegen Anorexie und für die Rückkehr zu einem gesunden Körperideal einsetzen.

Quelle: Focus Online

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