[27. Januar 2009] Deutschland verbietet Spice
Die deutsche Bundesregierung hat die Kräutermischung Spice per Eilverordnung verboten. Herstellung, Handel und Besitz sind somit nicht mehr erlaubt. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Geld- oder Haftstrafe rechnen.
Innerhalb weniger Monate war Spice, das in Drei-Gramm-Tütchen als Räucherwerk verkauft wird, zur Modedroge geworden. Der Londoner Hersteller Psyche Deli hatte stets versichert, die Mischung enthalte nur harmlose Gewürze.
Wissenschaftler der Universität Freiburg haben jetzt aber im Auftrag des deutschen Bundeskriminalamtes den Hauptwirkstoff der Modedroge Spice gefunden. Es handelt sich dabei um ein künstlich hergestelltes Cannabinoid, das die Forscher als CP-47,497 bezeichnen. Die Substanz ähnelt nach Angabe der Forscher dem Tetrahydrocannabinol, dem Stoff aus der Cannabispflanze, der die berauschende Wirkung beim Haschischkonsum hervorruft.
Bislang galt ein anderes synthetisches Cannabinoid als Wirkstoff der Modedroge. Eine Studie im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main hatte ergeben, dass Spice eine künstlich hergestellte Substanz aus der Arzneimittelforschung enthält. Im Dezember hatte das Frankfurter Unternehmen THC-Pharm den Stoff namens JWH-018 in sechs von sieben Proben der Kräutermischung entdeckt.
Das jetzt identifizierte CP-47,497 wirke allerdings nicht nur deutlich aggressiver als JWH-018, sondern auch länger, sagte Volker Auwärter vom rechtsmedizinischen Institut in Freiburg: "Die Frankfurter Forscher hatten den Hauptwirkstoff in ihrer Studie offenbar als Aromakomponente von Spice missverstanden".
Gemeinsam mit dem BKA warnte Auwärter "eindringlich" davor, Spice und vergleichbares Räucherwerk zu rauchen. "Die Suchtgefahr ist zu groß", so der Mediziner. Er hatte einen jungen Mann behandelt, der monatelang regelmäßig Spice geraucht hatte. Als ihm die Droge ausgegangen war, litt er unter starken körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen. Auwärter warnte zugleich davor, dass beim Rauchen von Spice überdies krebserregende Stoffe entstehen können.
Quelle: Die Zeit Online




