[14. Dezember 2009] Bald Alkotests auf Skipisten?
Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer Oberösterreich, fordert polizeiliche Alkohol-Schwerpunktkontrollen auf Österreichs Skipisten. Denn bereits ab einem Alkoholpegel von 0,2 Promille erhöhten sich Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung. "Wo andere Menschen gefährdet werden, hört die Freiheit des Einzelnen auf", sagte Niedermoser gegenüber den Salzburger Nachrichten. Er geht bei Stürzen unter Alkoholeinfluss mit Eigenverletzungen von einer hohen Dunkelziffer aus, da in diesen Fällen keine routinemäßigen Alkoholkontrollen durchgeführt würden. Zumeist würden Knie beziehungsweise Unterschenkel durch gestörte Koordination verletzt.
Ingo Karl, Fachverbandsobmann der Seilbahnwirtschaft Österreichs, hält vom Vorstoß des Mediziners wenig. "Blaulichtfahrer und Alkoholkontrollen auf der Piste, das wäre das Letzte überhaupt." Karl hält die Rufe nach Pistenpolizisten für maßlos übertrieben und beruft sich auf eine Langzeituntersuchung der Universität Innsbruck in Kooperation mit dem Österreichischen Skiverband, wonach bei Verletzungen von Skifahrern Alkoholkonsum nur eine wesentlich geringere Rolle spiele als geglaubt. Übermäßigen Alkoholkonsum gebe es immer wieder in Après-Ski-Hütten, die sich aber ohnehin zumeist in Talnähe befänden. Hier obliege es den Wirten, rechtzeitig den Ausschank von Alkohol zu stoppen. "Manchmal bleibt nichts anderes übrig, als die Bergrettung zu informieren und Betrunkene mit dem Akja abzutransportieren", sagte Karl.
Estolf Müller, Landesleiter der Salzburger Bergrettung, weiß, wie unangenehm es ist, einen Betrunkenen zu bergen. Von Erbrechen bis zu Aggression reicht die Palette der Reaktionen. "Wir helfen jedem, egal, ob alkoholisiert oder nicht. Bei vielen Einsätzen in der Nacht ist Alkohol im Spiel", erklärte Müller im SN-Interview. Natürlich seien Betrunkene eine Gefahr für andere Skifahrer, gegenüber Exekutive auf der Piste ist er dennoch skeptisch. "Verbote sind nicht sinnvoll, solang sie nicht kontrolliert werden. Man kann gar nicht so viel Polizei auf der Piste abstellen ", sagte Müller. Und weiter: "Warnen und aufklären ja, aber nicht überreglementieren. Erwachsene im freien Gelände tragen auch Eigenverantwortung." Das sieht der Mediziner Niedermoser anders: "Alkoholkontrollen auf der Piste können dazu beitragen, mehr Bewusstsein für das volkswirtschaftliche Problem Alkohol zu schaffen."
Quelle: Salzburger Nachrichten




