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[02. Januar 2012] Kaufsucht: Anzahl der Gefährdeten bleibt gleich hoch

28 Prozent der Österreicher/innen sind kaufsuchtgefährdet – 20 Prozent davon sind deutlich und acht Prozent stark kaufsuchtgefährdet, also praktisch schon kaufsüchtig. Das geht aus der jährlich vom Marktforschungsinstitut Gallup/Karmasin im Auftrag der Arbeiterkammer durchgeführten Umfrage (n=1000) zum Thema Kaufsucht hervor.

Im Vorjahr waren 27 Prozent kaufsuchtgefährdet. Heuer hat die Kaufsuchtgefährdung bei den Frauen etwas zugenommen, steigende Tendenz vor allem bei den 14- bis 24-Jährigen. Die AK Studie zeigt im Detail: Frauen sind durch alle Altersgruppen hinweg stärker kaufsuchtgefährdet als Männer. Konkret: Junge Frauen im Alter von 14 bis 24 Jahren sind zu 70 Prozent kaufsuchtgefährdet. (2010: 53 Prozent der jungen Frauen). In der Gruppe aller gefährdeten Personen: 69 Prozent Frauen und 31 Prozent Männer.

Ledige sind doppelt so stark kaufsuchtgefährdet als jene, die in einer Beziehung leben. Kaufsuchtgefährdete „spielen mit dem Glück“: Erstmals wurde der Frage nachgegangen, ob Kaufsuchtgefährdete auch „zocken“. Glückspiele sind hauptsächlich für Männer und jene mit kleinem Einkommen (bis zu 1.500 Euro monatlich) ein Thema: zwei Prozent der Befragten spielen nahezu täglich oder mehrmals wöchentlich, 17 Prozent mindestens einmal wöchentlich.

Wer im Internet shoppt, ist stärker gefährdet: Einkaufen per Mausklick ist bei den Kaufsuchtgefährdeten auch sehr beliebt und spielt eine immer größere Rolle. Es wird hier leicht möglich gemacht, Geld auszugeben, das oft gar nicht da ist. Denn Shoppen ist zu jeder Uhrzeit möglich. Vor allem die Jungen wachsen mit dem Internet und mit bargeldlosem Zahlungsverkehr auf und kaufen dann relativ ungehemmt ein.

Im Jahr 2008 nahm die Anzahl der Kaufsuchtgefährdeten ab – aufgrund der beginnenden Wirtschaftskrise – und ist seither in etwa – auf noch immer sehr hohem Niveau – gleich geblieben (27 bis 30 Prozent). Wie schon 2008 müssen viele Menschen nun wieder mehr aufs Geld schauen. Aber Kaufsuchtgefährdete handeln anders – das Kaufen steht im Vordergrund, nicht ihre Finanzen.

Die deutlich Kaufsuchtgefährdeten haben sich beim Einkaufen mehr im Griff und treffen ihre Kaufentscheidungen weniger spontan. Aber die stark Kaufsuchtgefährdeten, also die defacto von der Kaufsucht betroffene Gruppe, ist tatsächlich schon in einer Abhängigkeit. Wer einmal in diesem Kreislauf ist, für den wird Aussteigen schwierig – auch wenn es die finanzielle Lage mehr als erfordern würde. Die Flucht in den Konsum können sich viele gar nicht leisten. Die Folgen sind oft Zahlungsunfähigkeit oder sogar Privatkonkurs.

„Bei den Kaufsüchtigen geht es nur um den Kaufakt, nicht um das Brauchen“, weiß Karl Kollmann, stellvertretender Leiter der Abteilung Konsumentenpolitik in der AK Wien. „Es werden ja auch Dinge eingekauft, die sie oft schon haben. Sie kaufen, um etwa Frust oder Leid zu kompensieren. Durch das Einkaufen verspüren sie einen gewissen Kick. Aber dieses Gefühl hält nicht lange an. Die innere Leere lässt nicht lange auf sich warten, und der Teufelskreis beginnt erneut von vorne. Saisonale Anlässe, wo intensiver gekauft wird – wie Weihnachten, Ostern oder Muttertag – verstärken dieses Verhalten.

Der Ansturm in die Schuldnerberatungen ist groß – Tendenz steigend. Auch die Zahl der Privatkonkurse ist in die Höhe gegangen. Die Schuldnerberatungen können aber nicht die psychischen Folgen regeln, die als Folgen der Überschuldung auftreten. Wer sich schon als Junger überschuldet, kann sich später schwer oder gar nicht gesellschaftlich integrieren. Die psychische Gesundheit ist gefährdet. Ängste, Depressionen oder Rückzug sind die Folge.

Quelle: Arbeiterkammer

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