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08.06.2017

Europäischer Drogenbericht: Mehr Todesfälle durch Opioide


Erhebliche Gesundheitsrisiken stellten laut Bericht neue synthetische Opioide dar, die zumeist als Pulver, Tabletten, Kapseln aber auch in flüssiger Form auf den Markt gelangen.

Der jüngste Bericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) in Lissabon weist auf einen Anstieg bei den Drogentoten hin. Demzufolge ist in Europa (28 EU-Mitgliedsstaaten, Türkei und Norwegen) die Anzahl der Todesfälle durch Opioid-Überdosierungen (zumeist Heroin) das dritte Jahr in Folge angestiegen. So verstarben laut aktuellem Bericht im Jahr 2015 insgesamt 8441 Menschen an einer Überdosierung. 2014 waren es 7950 Todesfälle, womit es zu einer Steigerung von 6 % gekommen ist. In Österreich starben im Berichtszeitraum 2015 insgesamt 153 Menschen aufgrund von Überdosierungen nach dem Konsum von Suchtmitteln. Trotz der gestiegenen Anzahl der Drogentoten stellt sich die Drogensituation in Österreich aber weitgehend stabil dar (siehe News vom 31.01.2017).

Auch das Thema Neue Psychoaktive Substanzen stellt auf europäischer Ebene weiterhin eine Herausforderung dar. Im Jahr 2016 wurden 66 neue psychoaktive Substanzen erstmals über das EU-Frühwarnsystem gemeldet. Demnach hat sich das Tempo, mit dem neue Substanzen auf den Markt gebracht werden, verlangsamt. Zurückzuführen ist dies in erster Linie aufgrund neuer Rechtsvorschriften. Die Gesamtzahl der derzeit verfügbaren Substanzen ist jedoch noch immer hoch. Ende 2016 berichtete die EMCDDA über mehr als 620 neue psychoaktive Substanzen (gegenüber etwa 350 im Jahr 2013). Dabei machten synthetische Cannabinoide und synthetische Cathinone mehr als 60 % der fast 80.000 Sicherstellungen von neuen psychoaktiven Substanzen aus.

Die in Europa am häufigsten konsumierten illegalen Stimulanzien sind Kokain, MDMA (Ecstasy) und Amphetamine (Amphetamin und Methamphetamin). Der Konsum von Kokain ist in den süd- und westeuropäischen Ländern höher – bedingt durch Einfuhrhäfen und Schmuggelrouten –, während in Nord- und Osteuropa der Konsum von Amphetaminen stärker verbreitet ist. Insgesamt lassen laut EBDD-Bericht die Daten aus Abwasseranalysen, von Sicherstellungen, Preisen und Reinheit darauf schließen, dass die Verfügbarkeit von Kokain in Teilen Europas weiter im Steigen begriffen ist. Im Jahr 2015 wurden in der EU knapp 69,4 Tonnen Kokain beschlagnahmt, im Jahr zuvor waren es 51,5 Tonnen.

Die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Substanz ist nach wie vor Cannabis. Etwa 87,7 Millionen Europäer (zwischen 15 und 64 Jahren) haben mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis probiert, darunter sind schätzungsweise 17,1 Millionen junge Europäer zwischen 15 und 34 Jahren die in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert haben. Etwa 1 % der europäischen Erwachsenen konsumiert täglich oder fast täglich Cannabis (d. h. sie haben die Droge an mindestens
20 Tagen des letzten Monats konsumiert).Die Ergebnisse der jüngsten Erhebungen zeigen, dass sich der Cannabiskonsum der letzten zwölf Monate in den einzelnen Ländern weiterhin unterschiedlich entwickelt hat. Für Österreich zeigen sich sowohl im Bereich der Gesamtbevölkerung als auch bei Jugendlichen keine wesentlichen Veränderungen im Konsumverhalten.

Die jüngsten Änderungen, die in Teilen Amerikas am Regulierungsrahmen für Cannabis vorgenommen wurden, wurden in Europa von politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit mit Interesse verfolgt. In den 28 EU-Mitgliedstaaten werden gegenwärtig im Hinblick auf die Regulierung und den Konsum von Cannabis die unterschiedlichsten Ansätze verfolgt. Die Bandbreite reicht dabei von restriktiven Modellen bis hin zur Tolerierung bestimmter Formen des Eigengebrauchs. Bislang hat sich jedoch in Europa (EU-28, Norwegen und Türkei) noch keine nationale Regierung für eine umfassende legale Regulierung des Marktes für den Freizeitkonsum von Cannabis ausgesprochen.

Anhand der 2016 veröffentlichten Ergebnisse aus zwei großen Schulerhebungen werden im diesjährigen EBDD-Bericht auch Vergleiche der langfristigen Muster des Substanzkonsums unter europäischen und amerikanischen Schülern im Alter von 15 bis 16 Jahren gezogen. Demnach geht der Tabak- und Alkoholkonsum unter Schülern in Europa und den USA zurück, während beim Cannabiskonsum eher eine stabile Entwicklung erkennbar ist.

Unter den befragten europäischen Schülern (21 EU-Länder und Norwegen) war die 30-Tage-Prävalenz des Cannabiskonsums etwa halb so hoch (8 %) wie unter US-amerikanischen Schülern (15 %). Die 30-Tage-Prävalenz des Tabakkonsums war unter den Schülern in Europa (23 %) fast viermal so hoch wie in den USA, wo sie bei nur 6 % lag. Unter den US-amerikanischen Schülern war der Tabakkonsum weniger als halb so hoch wie der Cannabiskonsum. Der Anteil der Europäischen Schüler, die angaben, in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben, war mehr als doppelt so hoch (49 %) wie der entsprechende Anteil ihrer amerikanischen Altersgenossen (22 %).

 

Quellen und weiterführende Infos:

EMCDDA-Mitteilung

Europäischer Drogenbericht 2017

 

Foto: Pixabay.com lizenziert unter CC0 Public Domain