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§ 13 SMG - Psychoaktive Substanzen in der Schule

Wie geht eine Schule mit dem Drogenkonsum Jugendlicher um? Paragraf 13 Suchtmittelgesetz (SMG) gibt dazu den Leitfaden für illegale Substanzen vor, der auch im Bereich des Bundesheers gilt.

 

§ 13 SMG - Absatz 1 im Wortlaut:

"Ist auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen, dass ein Schüler Suchtgift missbraucht, so hat ihn der Leiter der Schule einer schulärztlichen Untersuchung zuzuführen. Der schulpsychologische Dienst ist erforderlichenfalls beizuziehen. Ergibt die Untersuchung, dass eine gesundheitsbezogene Maßnahme gemäß § 11 Abs. 2 notwendig ist und ist diese nicht sichergestellt, oder wird vom Schüler, den Eltern oder anderen Erziehungsberechtigten die schulärztliche Untersuchung oder die Konsultierung des schulpsychologischen Dienstes verweigert, so hat der Leiter der Schule anstelle einer Strafanzeige davon die Bezirksverwaltungsbehörde als Gesundheitsbehörde zu verständigen."

 

Handlungsschema im Anlassfall

Download: Handlungsschema im Anlassfall

Psychoaktive Substanzen in der Schule: Was tun?

Erläuterungen zu dem in der obigen Grafik dargestellten Handlungsablauf:  

 

Schritt 1: Information der Schulleitung

Konsumiert eine Schülerin/ein Schüler illegale Substanzen bzw. gibt diese weiter und hat eine Lehrkraft einen konkreten Verdacht, so ist die Schulleitung zu informieren. An der Einschätzung der Schulleitung liegt es, was weiter zu tun ist: Sie kann die Lehrkräfte zur weiteren Beobachtung auffordern oder den Schüler zu einem Gespräch einladen. Sie entscheidet, ob die Eltern zu informieren sind und eine schulärztliche Untersuchung veranlasst wird. Die Lehrkraft meldet also nur einen konkreten Verdacht, weitere Entscheidungen hat sie nicht zu treffen.


Schritt 2: Verdacht muss durch Tatsachen erhärtet sein

Wie kann eine Lehrkraft nun feststellen, ob bei einer Schülerin/einem Schüler ein Verdacht vorliegt? Es sind eindeutige Hinweise notwendig – sei es, dass Schüler illegale Substanzen bei sich tragen, beim Konsum erwischt werden oder körperliche und verhaltensbezogene Auffälligkeiten darauf schließen lassen. Entwicklungsbedingt finden bei Jugendlichen während der Pubertät und Adoleszenz eine Reihe von Veränderungen statt. Dies kann sich durch ein verändertes äußeres Erscheinungsbild bemerkbar machen, durch Konkurrenz zu Mitschülern oder durch lautes, aufmüpfiges Verhalten im Unterricht. Aber auch sozialer Rückzug, Konzentrationsstörungen, Leistungsabfall oder erhöhte Fehlzeiten können Ausdruck dieser Entwicklungsphase sein. Diese Verhaltensauffälligkeiten können in manchen Fällen auch Hinweise auf Drogenkonsum sein, müssen es aber nicht. Daher ist es wichtig, dass Lehrkräfte nicht übereilt vorgehen und damit womöglich ungewollt einen Schüler zu Unrecht stigmatisieren. Vielmehr braucht es eine behutsame Beobachtung und Prüfung bzw. Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, um herauszufinden, in welchem Zusammenhang die Auffälligkeiten stehen.


Schritt 3: Schularzt und schulpsychologischer Dienst

Die Schulleitung entscheidet über die Notwendigkeit einer schulärztlichen Untersuchung und kann die Schülerin/den Schüler zu einer solchen auffordern. Die Schulärztin/der Schularzt kann den Schüler nicht zu einem Drogentest (z.B. Blut- oder Harntest) verpflichten, der Schüler kann jedoch freiwillig einen Laborbefund vorlegen. Der Schularzt zieht bei Bedarf den schulpsychologischen Dienst bei. Die Eltern sind vor der schulärztlichen Untersuchung bzw. der Einschaltung des schulpsychologischen Dienstes zu informieren. Eine Verständigung der Erziehungsberechtigten kann nur dann unterbleiben, wenn der Drogenkonsum des Schülers auf dessen familiäre Situation zurückzuführen ist (Gewalt, Missbrauch) und belegbare Gründe befürchten lassen, dass die Information der Eltern die Gefahr für das Wohl des Schülers vergrößern würde. Dies ist jedoch in einem Aktenvermerk nachvollziehbar zu dokumentieren. Weiters ist in einem solchen Fall die Jugendwohlfahrt einzuschalten.


Schritt 4: Aufforderung zu "gesundheitsbezogener Maßnahme"


Ergibt die schulärztliche Untersuchung die Notwendigkeit einer gesundheitsbezogenen Maßnahme, so ist die Schülerin/der Schüler aufzufordern, sich einer solchen zu unterziehen. Unter einer gesundheitsbezogenen Maßnahme versteht man z.B. psychosoziale Beratung und Betreuung, die ärztliche Überwachung des Gesundheitszustands oder ärztliche Behandlung. Im Schulbereich wird am häufigsten der Besuch einer Suchtberatungsstelle vorgeschrieben. Die Eltern sind darüber zu informieren. Der Schüler muss eine schriftliche Bestätigung über die Anwesenheit bei der Maßnahme vorlegen. Die durchführende Stelle darf jedoch keine inhaltlichen Details bekannt geben (Schweigepflicht).


Wenn Schüler oder Eltern verweigern


Der Schüler bzw. dessen Eltern können sowohl die schulärztliche Untersuchung als auch die gesundheitsbezogene Maßnahme verweigern. Ist eines von beiden der Fall, verständigt die Schulleitung die Gesundheitsbehörde (Amtsärztin/Amtsarzt bei Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat). Eine Strafanzeige bzw. die Einschaltung der Polizei ist nicht vorgesehen. Wenn der Amtsarzt zum selben Schluss wie die schulärztliche Untersuchung kommt, versucht er nochmals, den Schüler bzw. die Eltern zur Zustimmung zu einer gesundheitsbezogenen Maßnahme zu bewegen. Erst wenn dieser Schritt erfolglos ist, erstattet der Amtsarzt Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Suchtberatungsstellen bieten für alle Beteiligten anonym und kostenlos Beratung und Hilfe - sowohl für Schüler und Eltern, als auch für Lehrkräfte, Schulleitung und Schulärzte. Eine Liste von Hilfsangeboten finden Sie hier.

 
Drogentest für die ganze Klasse?


Drogentests für die ganze Klasse sind nicht zulässig und müssen von den Schülerinnen und Schülern bzw. deren Eltern ohne negative Folgen verweigert werden können.

 

Schulinterne Fortbildung: Frühintervention in der Schule


Das Institut Suchtprävention bietet mit "Step by Step: Früh erkennen und Handeln" eine schulinterne Fortbildung an, die acht Unterrichtseinheiten dauert und sich an Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulärztinnen und Schulärzte richtet. Dabei sollen Schulteams ermutigt und befähigt werden psychosoziale Auffälligkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler frühzeitig zu erkennen und gezielte Schritte einzuleiten. Neben Basisinformationen über Suchtvorbeugung, Gesprächsführung, Interventionsstrategien und Hilfsangebote sind auch rechtliche Grundlagen (Paragraf 13 Suchtmittelgesetz) Thema. Weitere Informationen