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Ansatzpunkte schulischer Suchtprävention

Im Setting Schule ist es zunächst am wichtigsten, ein zuträgliches Lernumfeld  für die Kinder zu schaffen. Für die  psychische Gesundheit besonders wichtige Dimensionen (Bilz) der schulischen Umwelt sind zum einen die Unterrichtsqualität (interessant gestaltet, lebensnah, dem Ausgangsniveau der SchülerInnen angepasst), zum anderen  soziale Erfahrungen (Erleben von Akzeptanz und Unterstützung durch die MitschülerInnen).


Defizitäre Beziehungen zu Mitschülern, soziale Ausgrenzung und Mobbing gelten als  zentrale Risikofaktoren für die Entwicklung von Heranwachsenden. Ein Entwicklungsrisiko stellt auch das ständige Erleben von  Überforderung, Langeweile und fehlender Unterstützung durch Lehrpersonen dar. Unter diesen Bedingungen wird es für Kinder und Jugendliche sehr schwierig, sich als kompetent zu erleben. Bleiben zentrale Grundbedürfnisse wie das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit, nach Kompetenz, nach Autonomie (Deci & Ryan), dauerhaft unbefriedigt, kommt es meist zu einem Problemverhalten, dass sich entweder nach innen (Depressivität, Angststörungen, problematische Mediennutzung, etc.) oder nach außen (Aggressivität, riskanter Substanzkonsum etc.) richtet.


Auch die Qualität der Beziehung zwischen PädagogInnen und Kindern/Jugendlichen ist für die Suchtprävention äußerst relevant. Selbstwert entsteht durch wertschätzenden Umgang, durch die Botschaft „du bist mir wichtig um deinetwegen“. Wird der Wert eines Menschen vorwiegend an die kognitive Leistungsfähigkeit oder angepasstes Sozialverhalten geknüpft, ist dies gerade für Kinder, die hier Schwierigkeiten haben, äußerst problematisch. Suchtprävention in pädagogischen Handlungsfeldern bedeutet auch, sensibel für etwaige problematische Entwicklungen zu sein und frühzeitig gegenzusteuern (siehe auch "Step by Step").


Klare Regeln zum Substanzkonsum, in der Hausordnung verankert - und von allen  mitgetragen, sind ein weiteres wichtiges Element schulischer Suchtprävention. Es sollte bewusst sein, dass alle Erwachsenen Modelle für den Umgang mit Substanzen bzw. für Verhalten (Mediennutzung etc.) sind und damit große Verantwortung tragen.


Ein weiterer wesentlicher Beitrag ist es, Eltern in präventive Projekte miteinzubinden bzw. Eltern zu Vorträgen, Projekten einzuladen und deren Interesse und Unterstützung zu gewinnen. Dadurch erhalten sie einerseits relevantes Erziehungswissen, zum anderen werden die schulischen Aktivitäten mitgetragen und in ihrer Wirkung verstärkt.


Als effizienter Weg, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu unterstützen und ihnen zu helfen Schutzfaktoren aufzubauen, gilt die gezielte Durchführung von Lebenskompetenzprogrammen. Geschulte Lehrkräfte führen über einen längeren Zeitraum (z.B. gesamte Grundschulzeit oder Sekundarstufe I) eigens konzipierte Unterrichtseinheiten durch. Es werden Fähigkeiten, wie konstruktiv Probleme lösen, Umgang mit Stress und negativen Emotionen, erfolgreiche Kommunikation und Selbstbehauptung, gut entwickelte Selbstwahrnehmung und der Ausdruck von Emotionen geübt. Dadurch sollen die Kompetenzen im Umgang mit sich selbst und mit anderen verbessert werden. Zusätzlich findet erfahrungsbezogene, sachliche und altersangemessene Auseinandersetzung mit substanzspezifischen  und verhaltensspezifischen (Medienkonsum, Konsum, Essen, Diäten, Schönheitsideale, …) Inhalten statt.

 

 

In diesem Artikel erwähnte bzw. weiterführende Literatur:

  • Bilz,L.; Melzer, W.: Die Schule als Gesundheitsdeterminante. In: Lehrbuch der schulischen Gesundheitsförderung , Verlag Hans Huber 2011
  • Deci, Edward L. & Ryan, Richard M.: Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung in der Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 29, 223 – 238, 1993