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Plattform Glücksspiel OÖ

Die Plattform Glücksspiel OÖ ist eine Kooperation zwischen Institut Suchtprävention, der Spielsuchtberatung der Schuldnerhilfe OÖ und der Ambulanz für Spielsucht.

 

Gemeinsame Ziele

Glücksspiele sind weit verbreitet und beliebt, können aber auch zu einem Risiko werden. Exzessives Spielverhalten kann zur Entwicklung einer Abhängigkeit führen, wobei die Grenzen zwischen Vergnügen und Sucht fließend sind. Wenn das Glücksspiel zur Sucht wird, sind die Folgen für die Betroffenen und für deren Umfeld oft verheerend: finanzieller Ruin, belastete Beziehungen oder auch der Absturz in die Beschaffungskriminalität.

Um diese sozialen Folgen künftig zu verringern bzw. bereits besser im Vorfeld zu vermeiden bündelt die Plattform Glücksspiel OÖ ihre Aktivitäten in Oberösterreich zu den Themen Prävention, Beratung und Behandlung von Glücksspielsucht. Der Austausch von Fachwissen, das Abstimmen von Aktivitäten und vor allem das gemeinsame Vertreten von Fachpositionen sollen zu einer verstärkten Sensibilisierung für das Thema Glücksspielsucht in der Öffentlichkeit führen.

Aktuelle Zahlen zur Spielsucht in Österreich

Laut der am 10. Mai 2011 veröffentlichten, repräsentativen „Österreichischen Studie zur Prävention der Glücksspielsucht“ (durchgeführt vom Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung, Hamburg im Auftrag der Österrreichischen Arbeitsgemeinschaft Suchtvorbeugung), erfüllen 0,7 Prozent der Gesamtbevölkerung (14- bis 65-Jährige) die Kriterien (mindestes 5 der 10 DSM-IV-Kriterien erfüllt) für pathologisches, also krankhaftes Glücksspiel. Darüber hinaus gelten 0,4 Prozent der Befragten als problematische Spieler (drei oder vier Kriterien erfüllt). Nimmt man ausschließlich jene Menschen als Basis, die im vergangenen Jahr an irgendeinem Glücksspiel teilgenommen haben (42 %), erhöhen sich diese Zahlen auf 1,6 % (pathologische Spieler) bzw. 1% (problematische Spieler).

Automatenspiele besitzen höchstes Suchtpotenzial

Das größte Gefährdungspotential der in Österreich angebotenen Glücksspiele besitzen die Glücksspielautomaten. Der höchste Anteil von pathologischen Spielern findet sich unter den Nutzerinnen und Nutzern des Automatenspiels in der Spielhalle (47 %), gefolgt von den Sportwettenkonsumenten (20 %), den klassischen Kasinospielern (17 %) und den Automatenspielern im Kasino (15 %). Das heißt, beinahe jeder zweite Automatenspieler in einer Spielhalle weist ein pathologisches Spielverhalten auf. Ein problematisches Spielverhalten wurde für 19 % der Automatenspieler/innen außerhalb des Kasinos, 17 % der Spieler/innen des klassischen Spiels im Kasino, 15 % der Automatenspieler/innen im Kasino und 10 % der Sportwetter/innen erhoben.

Gefahren des Glücksspiels sind zu wenig bekannt

Generell werden laut Studie jene Spiele, die ein hohes Suchtpotenzial aufweisen (klassische Kasinospiele, Sportwetten und Glücksspielautomaten) überdurchschnittlich häufig von Männern, der Altersgruppe der 18- bis 35 Jahre, Personen mit Pflichtschulabschluss und Arbeitslosen nachgefragt. Zudem weisen Personen mit Migrationshintergrund sowie Befragte, in deren Familien aktuell glücksspielbezogene Probleme bestehen, ein erhöhtes Risiko auf, selbst Spielprobleme zu entwickeln. Eine weitere Erkenntnis aus der Studie ergibt sich aus der Befragung des Personals der Glücksspielanbieter, die den Kenntnisstand der Bevölkerung zu den Gefahren des Glücksspiels wie Verschuldung und Sucht als „eher schlecht“ einstuft. Daher empfehlen auch die Studienautoren eine bessere Aufklärung der Bevölkerung zu den Risiken des Glücksspiels.

Besonderes Augenmerk auf Jugendschutz

Da vor allem junge Menschen überdurchschnittlich von problematischen Spielweisen betroffen sind, spricht sich die Plattform Glücksspiel für ein Teilnahmeverbot für Minderjährige an jeglichen Glücksspielen – also auch an Sportwetten – aus. Überdies sollten Sportwetten aus Sicht der Prävention und Behandlung künftig als Glücksspiel deklariert und eingeordnet werden. Um bereits bestehende bzw. gesetzlich beschlossene Teilnahmeverbote zu gewährleisten, bedarf es strenger Alterskontrollen. Als weitere sinnvolle Präventivmaßnahme in diesem Bereich ist die Einbettung des Themas Glücksspielsucht in bestehende Programme an Schulen und Berufsschulen nötig.

Generell sollte es mittelfristig zu einer Einschränkung von Werbung für Glücksspiele kommen, da diese oft irreführende Botschaften vermittelt (höhere Gewinnchancen als real möglich, besseres Leben usw.).

Bedarf an Prävention und Behandlung wird steigen

Der Glücksspielmarkt in Österreich weist in den vergangenen Jahren – vor allem durch die Segmente Onlinespiele und Geldautomaten - einen starken Umsatzanstieg auf. Parallel dazu steigt auch der Bedarf an Präventions- und Hilfsangeboten. Laut aktuellen Schätzungen der Universität Lübeck haben drei Viertel der pathologischen Glücksspieler in Hinblick auf ihre Spielprobleme keinerlei Kontakt zum Hilfesystem. Es ist daher auch für Österreich von einer deutlichen Unterversorgung von Menschen mit pathologischem Glücksspielverhalten auszugehen. Neben den erwähnten Fachpositionen zum Jugendschutz fordert die Plattform Glücksspiel OÖ daher auch eine von der öffentlichen Hand finanzierte Absicherung für die Prävention und Behandlung von Glücksspielsucht.

 

Kurzbeschreibung der Partnerinstitutionen

Institut Suchtprävention

Das Institut Suchtprävention ist ein Kompetenzzentrum für Fragen zu Prävention, Sucht, psychoaktiven Substanzen, problematischem Konsum und Drogenpolitik. Es wurde im September 1994 in Linz gegründet und ist die vom Land Oberösterreich beauftragte Fachstelle für Suchtprävention in Oberösterreich. Der Trägerverein ist pro mente Oberösterreich. Grundsätzliches Ziel des Instituts ist es, einen Beitrag zu leisten, Probleme und Schäden, die im Zusammenhang mit psychoaktiven Substanzen und Verhaltenssüchten sowie generell mit dem Phänomen Sucht auftreten, mittel- und langfristig zu minimieren.

Homepage: www.praevention.at

 

Ambulanz für Spielsucht

Die Ambulanz für Spielsucht ist ein Angebot von pro mente OÖ in Kooperation mit der gespag (Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg) in Linz. Sie wurde im Juni 2010 gegründet und ist die einzige Spielsuchtambulanz in Oberösterreich. Hier können sich Betroffene bezüglich Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Spiel- und Onlinesucht beraten lassen. Zudem werden ambulante psychiatrische und psychotherapeutische Behandlungen sowie eine Untersuchung möglicher begleitender psychischer Leiden (z.B. Burnout, Depression, andere Abhängigkeitserkrankungen) angeboten.

Homepage: www.promenteooe.at/spielsucht/

 

Spielsuchtberatung der SCHULDNERHILFE OÖ

Der Bereich Spielsuchtberatung der Schuldnerhilfe OÖ berät seit 1990 kostenfrei Spielsüchtige und deren Angehörige. Einzel-, Paar- und Familienberatungen bilden neben verschiedenen Gruppenangeboten (offene Gruppe, psychotherapeutisch geleitete Gruppe) die Grundlage des Beratungsangebotes. Zusätzlich wird im Rahmen der Schuldnerberatung bei Lösungen im finanziellen Bereich unterstützt. Die Schuldnerhilfe OÖ ist eine staatlich anerkannte Schuldenberatung und Familienberatungsstelle nach dem Familienberatungsförderungsgesetz.

Homepage: www.schuldner-hilfe.at/spielsuchtberatung/