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Gesundheitsförderung | Ottawa Charta | Präventionsstrategien

Gesundheit und Suchtprävention

Gesundheit

Wer von Gesundheit spricht, sollte sich immer bewusst sein, dass es gegenwärtig mindestens zwei ganz unterschiedliche Definitionen dieses Begriffes gibt:

Gesundheit im engeren Sinne bedeutet das subjektive Empfinden des Fehlens körperlicher, geistiger und seelischer Störungen oder Veränderungen bzw. ein Zustand, in dem Erkrankungen und pathologische Veränderungen nicht nachgewiesen werden können. Wie man sieht, entspricht diese Definition dem exakten Gegenteil von „Krankheit“.

Gesundheit im weiteren Sinne wird mit der Definition der WHO (1984) gleichgesetzt und bedeutet demnach „einen Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und daher weit mehr als die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen“.

„Gesundheit“ – verstanden im Sinne der WHO – ist neben dem Begriff „Abhängigkeit“ ein zweiter wichtiger Orientierungspunkt in der Suchtprävention, wobei es vor allem um die Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung geht. Gesundheit wird in diesem Sinne nicht als ein einmalig zu erreichender Zustand, sondern als ein alltäglicher Balanceakt verstanden:

Denn auf der einen Seite müssen innere körperliche und psychische Bedingungen wie etwa Veranlagung, psychische Bedürfnisse, Selbstwertgefühl usw. mit äußeren Lebensbedingungen der sozialen und natürlichen Umwelt wie Familie, Wohnumwelt, usw. auf der anderen Seite ausgeglichen werden. Psychoaktive Substanzen sind seit Menschengedenken in dieses Balance-Streben einbezogen. Besonders in der Phase des Heranwachsens kann es zu Überforderungen der Kapazitäten der Lebensbewältigung kommen. Konflikte mit den Eltern, Versagenserlebnisse in der Schule, mangelhafte soziale Unterstützungssysteme, Sinn- und Orientierungskrisen sind nur einige Beispiele für Situationen, in denen der Gebrauch von legalen oder illegalen Substanzen zur Stabilisierung der Gesundheitsbalance verlockend erscheint.

Suchtprävention

Suchtprävention arbeitet heute im optimalen Sinn personen- und strukturorientiert, ressourcenorientiert, bedürfnisorientiert, nachhaltig, mit einem Methodenmix (von legistischen Mitteln bis zum Infoflyer) sowie wissen-schaftlich fundiert.

In Anlehnung an die vom amerikanischen "Institute of Medicine" entwickelte Begriffsdefinition verstehen wir alle Interventionen, die vor der vollen Manifestation einer Erkrankung einsetzen, als Prävention. Prävention kann demnach in folgende Kategorien weiter unterteilt werden:

  • Die "universelle" präventive Intervention stellt eine Maßnahme dar, die für alle Personen einer Population wünschenswert ist, z.B. Schulprogramme zur Förderung der Lebenskompetenzen der Schüler, massenmediale Kampagnen, Maßnahmen am Arbeitsplatz.
  • Eine "selektive" präventive Intervention zielt auf Individuen ab, deren Risiko, Substanzen zu missbrauchen, bzw. abhängig zu werden, über dem Durchschnitt liegt, z.B. Kinder von alkoholkranken Eltern.
  • Die "indizierte" präventive Intervention (Früherfassung) ist jenen Personen vorbehalten, die bereits ein manifestes Risikoverhalten etabliert haben und somit einem erhöhten Risiko zur Entwicklung einer Abhängigkeit in der Zukunft ausgesetzt sind, bei denen die diagnostischen Kriterien der Abhängigkeit aber noch nicht gegeben sind, z.B. junge Erwachsenen, die am Wochenende wiederholt exzessiv Alkohol trinken ("binge drinking").