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Ursachen | Kennzeichen | Body-Mass-Index | Magersucht | Ess-Brech-Sucht | Binge Eating | Zahlen / Fakten

Essstörungen

 

Was versteht man unter einer Essstörung?

Essstörungen gehören zur Gruppe der psychosomatischen Erkrankungen mit Suchtcharakter. Das Leben der Betroffenen kreist zwanghaft um Essen bzw. Nicht-Essen.

In den internationalen Klassifikationssystemen für psychische Krankheiten - ICD-10 und DSM-IV - werden folgende Essstörungen definiert:

Anorexia nervosa (Magersucht)

Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)

Binge Eating Disorder (Esssucht ohne Erbrechen)

EDNOS - "Eating Disorder Not Otherwise Specified" (Nicht näher bezeichnete Essstörungen)

Essstörungen treten überwiegend bei Mädchen und junge Frauen auf, das Geschlechter-verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen beträgt derzeit etwa 1:10. Der Übergang von gestörtem Essverhalten zu einer krankhaften Essstörung verläuft fließend. Das Spektrum reicht vom "gezügelten Essverhalten", über subklinische Essstörungen bis hin zu klinischen Formen der Magersucht, der Ess-Brech-Sucht, und der "Binge-Eating-Disorder". Es dauert meist Monate oder Jahre, bis eine Essstörung erkannt und behandelt wird, weil die Betroffenen oft versuchen, ihr gestörtes Essverhalten zu verbergen oder zu verharmlosen. Viele Essgestörte glauben, sie könnten sich alleine aus ihrer Erkrankung befreien, und viele Eltern versuchen viel zu lange, die Krankheit ihrer Tochter in der Familie zu bewältigen. Oftmals kann jedoch nur eine gezielte Psychothera-pie neue Wege der Problemlösung aufzeigen.

Folgende Faktoren bedeuten zwar nicht automatisch eine Essstörung, können aber längerfristig das Risiko einer Erkrankung erhöhen bzw. könnten bereits frühzeitig auf die Entwicklung einer Essstörung hindeuten:

  • Essen ist ein wichtiges Mittel zur Stressbewältigung
  • Keine angemessene Reaktion auf Appetit- bzw. Sättigungssignale des Körpers
  • Essen hängt stark von der momentanen Stimmung ab (z.B. Viel-Essen oder Nicht-Essen bei Frust, Stress, Traurigkeit)
  • Das Thema Essen beschäftigt ständig die Gedanken
  • Rigides Essverhalten und übermäßige Gewichtskontrolle
  • Kritisches Beobachten des eigenen Körpers
  • Körpergefühl hängt stark vom Gewicht und von momentaner Stimmung ab
  • Kritische Vergleiche der eigenen Figur mit anderen
  • Diäten und exzessiver Sport, um den Gewichtsideal zu entsprechen bzw. dieses zu erreichen

Zu Beachten gilt jedoch: Nicht jedes Mädchen, das weniger isst und ein paar Kilogramm abgenommen hat, ist magersüchtig, und nicht jede, die nach einer reichlichen Mahlzeit erbricht, leidet an Bulimie.

 

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Was gilt nicht als Essstörung?

Adipositas

Adipositas (lat. adeps = fett) oder Fettleibigkeit ist die Bezeichnung für starkes Übergewicht bzw. die übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper. Adipositas zählt nach den gängigen Diagnosekriterien nicht zur Gruppe der Essstörungen. Nicht jeder Adipöse ist esssüchtig bzw. hat eine psychische Störung. Es handelt sich aber, laut Weltgesundheitsorganisation, um das größte chronische Gesundheitsproblem in den In-dustrienationen.

Diagnose

Als Maß für das Übergewicht dient der so genannte Body-Mass-Index (BMI). Der BMI wird berechnet, indem man das Gewicht durch das Quadrat der Größe (in Meter) teilt (kg/m²).

  • Übergewicht entspricht einem BMI zwischen 25 und 30
  • Von Fettleibigkeit bzw. Adipositas spricht man ab einem BMI von 30

BMI 30-34,9..........Adipositas Grad I

BMI 35-39,9..........Adipositas Grad II

BMI über 40..........Adipositas Grad III

Der BMI kann aber nur als ungefähre Richtlinie betrachtet werden, da jeder Körper an-ders ist und die Körperzusammensetzung (Fett, Muskeln, Knochen etc.) beim BMI nicht berücksichtigt wird. Bei der Bewertung der gesundheitlichen Gefährdung kommt es dar-über hinaus nicht nur auf den BMI an, sondern auch auf die Art der Fettverteilung.

Ursachen

Zu den Ursachen für die Entstehung von Adipositas gibt es viele Erklärungsansätze. So ist bewiesen, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Dennoch sind Gene nicht alleine für extremes Übergewicht verantwortlich. Die Lebensumstände und Gewohnheiten in unserer Gesellschaft haben ebenso eine Schuld, wie psychosoziale Faktoren. Nicht ohne Grund ist Adipositas hauptsächlich ein Problem in westlichen Industrienationen mit einem überreichen Angebot an fett- und kalorienreicher Nahrung und zunehmender Bewegungsarmut. Auch eine Vielzahl psychischer Probleme oder Störungen, wie der Binge-Eating-Störung, können das Entstehen extremen Übergewichts begünstigen.

Folgen

Extremes Übergewicht bedingt ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Erkrankungen des Stützapparates oder Gelenksbeschwerden. Neben den körperlichen Folgen geht Adipositas aber auch fast immer mit einem hohen psychischen Leidensdruck und psychosozialen Problemen für die Betroffenen einher.

Behandlung

Crash-Diäten, Medikamente, Wundermittel – alles, was schnellen Erfolg verspricht, ist auf Dauer meist wirkungslos. Die systematische Behandlung von Übergewicht bzw. Adipositas bedeutet eine grundlegende und lebenslange Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und beruht im Wesentlichen auf den drei Säulen Ernährungs-, Bewe-gungs- und Verhaltenstherapie. Bei fettleibigen Patienten, die trotz Diät und ausreichend körperlicher Aktivität nicht genügend Gewicht verlieren, ist eine medikamentöse Unter-stützung angezeigt. Bei extremer Adipositas (BMI >40) besteht die Möglichkeit einer operativen Behandlung, wie die Verkleinerung des Magens (Gastroplastik) oder die Verkleinerung des Mageneingangs mit anpassbarem Magenband (Gastric Banding). Eine Operation kann aber auch in diesem Fall nur ein Puzzlestück innerhalb eines notwendigen Bündels an Maßnahmen darstellen. Entscheidend ist, bei erfolgreicher Gewichtsreduktion das einmal erreichte Gewicht zu halten. Professionelle Beratung und Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen Unterstützung.

Orthorexia nervosa

Der Begriff setzt sich aus dem griechischen "orthos" (richtig) und "orexis" (Appetit) zusammen und wurde vom amerikanischen Arzt Dr. Steven Bratman geprägt, der Orthorexie 1997 erstmals beschrieben hat. Unter "Orthorexia nervosa" versteht man eine krankhafte Fixierung auf gesunde Ernährung.

Von der Weltgesundheitsorganisation wurde der Begriff bisher noch nicht in die internationale Klassifikation psychischer Störungen aufgenommen und gilt derzeit nicht als eigenständiges Krankheitsbild. Orthorexie ist diagnostisch im Grenzbereich der Zwangsstörungen anzusiedeln und zählt nicht zu den klassischen Essstörungen wie Magersucht und Bulimie.

"Orthorektiker" haben panische Angst vor "ungesunden" Lebensmitteln. Sie verbringen mehrere Stunden täglich damit, sich Gedanken über das Essen zu machen. Wobei sich die Auswahl der "erlaubten" Lebensmittel tendenziell immer mehr verringert. Eine mögliche Folge: Unter- und Mangelernährung. Problematischer sind jedoch die psychosozialen Beeinträchtigungen. Die Fixierung auf gesundes Essen führt in vielen Fällen zu Rückzug und sozialer Isolation. Die Betroffenen fühlen sich anderen überlegen, versuchen, ihr Um-feld zu missionieren und zeigen Angst vor als ungesund geglaubten Lebensmitteln - Ängste, die auch wahnhafte Formen annehmen können. Zur Verbreitung der Störung gibt es bisher kaum wissenschaftlichen Daten. Betroffen sind laut Experten vor allem Frauen zwischen 20 und 40 Jahren.

Anorexia athletica (Sport-Anorexie)

Anorexia athletica ist die Bezeichnung für die bewusste Verringerung des Körpergewich-tes bis zur Grenze des Untergewichtes oder darüber hinaus, um eine bestimmte sportliche Leistung zu erreichen. Der Begriff wurde von Smith (1980) und Pugliese et al. (1983) geprägt, um deutlich zu machen, dass diese Form der Essstörung ausschließlich sportinduziert ist. Die Gewichtsreduktion kann sowohl durch strikte Diät wie auch durch andere gewichtsreduzierende Maßnahmen wie exzessives Trainieren oder übermäßiges Entwässern erfolgen.

Ein gehäuftes Vorkommen findet man in Sportarten wie Schispringen, Klettern, Laufen oder rhythmische Sportgymnastik, bei denen niedriges Körpergewicht ein Leistungsfaktor ist.

Die Kriterien der Anorexia athletica sind nicht einheitlich. Zu den absoluten Kriterien gehören die vorherrschend übertriebene Angst, fettleibig zu werden und das Streben nach einer maximalen sportlichen Leistungsfähigkeit.

Im Gegensatz zur Anorexia nervosa und Bulimia nervosa handelt es sich bei der Anorexia athletica nicht um eine psychiatrische Erkrankung. Sie ist zwar gekennzeichnet durch eine Gewichtsreduktion, die auch zu einem Untergewicht führen kann, doch geschieht dies zu Beginn kontrolliert mit dem alleinigen Ziel, die eigene sportliche Leistung zu optimieren. Es besteht jedoch die Gefahr, dass das Kontrollverhalten bei entsprechender Prädisposition - aufgrund der Legitimation durch den Sport meist unbemerkt - in pathologische Dimensionen entgleist. Der Übergang in eine Essstörung wie Anorexia nervosa (Magersucht) oder Bulimia nervosa (Ess – Brech-Sucht) ist oft fließend (vgl. Clasing, Dirk; Herpertz-Dahlmann, Beate; Marx, Kersten: Die eßgestörte Athletin. Deutsches Ärzteblatt 1997).