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02.08.2017

Cannabis: Ein Fakten-Check zum Thema CBD


CBD ist einer von über 100 in der Hanfpflanze enthaltenen Wirkstoffen.

Der Hanf erlebt derzeit eine Wiederentdeckung als Heilpflanze. Vor allem der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) wird dabei immer wieder genannt. Das Angebot und die Nachfrage nach CBD bzw. CBD-Produkten haben in jüngster Vergangenheit auch in Österreich stark zugenommen. Sachliche und vor allem neutrale Informationen sind jedoch dazu selten erhältlich. Zu sehr dominieren Ideologien und Emotionen rund um die Legalisierungsdebatte. Wir wollen mit dieser kurzen Status-Quo-Erhebung zum Thema CBD einen unvoreingenommenen Beitrag zur Aufklärung leisten.

Was ist Cannabidiol und wie wirkt es?

In der Hanfpflanze wurden bislang über 100 Wirkstoffe, so genannte Cannabinoide, entdeckt. Cannabidiol, kurz CBD genannt, ist einer von ihnen. CBD wird aus der weiblichen Hanfpflanze gewonnen und kommt dort als Säure (CBD-Carbonsäure) vor. Es hat im Gegensatz zum weithin bekannten Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) jedoch keine berauschende Wirkung. CBD gilt auch als „Gegenspieler“ des THC.

Die Gründe, warum Menschen zu CBD-Produkten greifen, zumeist in Form von Tropfen, Blüten, Tees, etc. sind unterschiedlich. Sie reichen von Schlafstörungen über eine gesündere Alternative zum Tabakrauchen bis hin zur Schmerzlinderung und Bekämpfung von schweren Krankheiten wie Krebs. Das Wirkspektrum von CBD wird von antitumorös, antiepileptisch, angstlindernd, antipsychotisch (im Gegensatz zu THC), antibakteriell und antiviral sowie nervenschützend beschrieben. Forschungsergebnisse aus Tierversuchen sowie erste Erfahrungen aus der medizinischen Behandlung deuten darauf hin, dass CBD vor allem bei Schmerzpatienten, Multipler Sklerose aber auch bei der Behandlung von neurologischen Alterskrankheiten (z.B. Parkinson), bei Epilepsie oder Krebserkrankungen positive Ergebnisse erzielt. Zum Thema Krebsbehandlung gibt es derzeit intensive Forschungen, wie etwa jene von Dr. Manuel Guzman, Professor an der Abteilung für Biochemie und Molekulare Biologie an der Complutense-Universität Madrid.

Risiken und Nebenwirkungen

Aufgrund der Tatsache, dass CBD-Produkte relativ neu am Markt sind, gibt es auch noch keine Langzeitstudien dazu. Zudem hängt die Wirkung – wie bei jeder Substanz - logischerweise immer von der Dosis und der Konzentration des Wirkstoffes ab. In Österreich sind derzeit in der Regel CBD-Extrakte von 3% bis zu 25% CBD-Gehalt  erhältlich.

Die Schweizer Präventionsstiftung „Sucht Schweiz“ hat kürzlich ein Factsheet zum Thema CBD veröffentlicht. Zum Thema Risiken hält sie fest: „Über Risiken des CBD-Konsums ist kaum etwas bekannt. Allerdings sollte CBD insbesondere während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da CBD die Schutzfunktion der Plazenta reduzieren und ihre Eigenschaften verändern kann.“ Ein weiteres Risiko besteht bei der Verwendung von CBD als Tabakzusatz oder -ersatz, da bei der Verbrennung gesundheitsschädliche Stoffe entstehen.

Eine weitere Schweizer Institution, die Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich, hat ganz aktuell, im Juli 2017, ebenfalls eine Information zum Thema CBD veröffentlicht. Im „infoblatt“ wird auch auf die Risiken bezüglich des Jugendschutzes eingegangen: „Von einem unbekümmerten Konsum ist trotzdem abzuraten. […] Auch weiß man noch wenig über die Langzeitfolgen oder das Suchtpotenzial der Substanz. […]Schulen und der offenen Jugendarbeit empfehlen wir den Jugendschutz auch in Bezug auf CBD anzuwenden. Jugendliche unter 16 sollen kein CBD konsumieren. […] Auch aus einem praktischen Grund: CBD-Hanf ist weder vom Geruch her noch optisch vom herkömmlichen THC-Cannabis zu unterscheiden.“

Rechtslage in Österreich

In Österreich können CBD-Produkte derzeit legal in Hanfgeschäften („Headshops“, „Growshops“) erworben werden. Das Ausgangsprodukt, die Hanfpflanze, muss aber eine Sorte aus dem EU-zertifiziertem Saatgutkatalog sein, deren THC-Gehalt unter der im Österreichischen Suchtmittelgesetz definierten Grenze von 0,3 % liegt. Dies hat den Grund, da sich auch in reinen CBD-Produkten immer auch ein geringer Anteil an THC befindet. Problematisch, sowohl für Konsumenten als auch für die Polizei: Rein äußerlich unterscheiden sich die Blüten eines THC-reduzierten Hanfes nicht von jenen, in denen eine höhere THC-Konzentration zu finden ist. Hier kann derzeit letztlich nur eine Analyse im Labor den endgültigen Aufschluss geben.

Außerdem dürfen CBD-Produkte nicht als Arzneimittel bezeichnet und verkauft werden. Auch die Bezeichnung als „Nahrungsergänzungsmittel“ ist rechtlich nicht zulässig. Die staatliche Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) hält dazu fest: „Ein relativ neuer Trend sind Cannabinoid-haltige Öle/Extrakte, die zumeist als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gebracht werden. Derartige Produkte entsprechen jedoch nicht der Definition eines Nahrungsergänzungsmittels gemäß § 3 Z 4 des Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetzes (LMSVG, BGBl I Nr. 13/2006 idgF). Aus diesem Grund fallen sie nicht unter das Anwendungsgebiet des Lebensmittelrechts.“

Unklar ist auch, wie lange in Österreich die derzeit gültige Regelung aufrecht bleibt. Das Gesundheitsministerium prüft derzeit den Erlass einer Verordnung, wonach der Handel mit bestimmten CBD –Produkten (v.a. Blüten) eingeschränkt werden könnte.

Fazit

Ein endgültiges Fazit lässt sich aus heutiger Sicht zu diesem durchaus komplexen Thema nicht ziehen. Derzeit ist in Sachen CBD noch vieles im Unklaren, und zwar sowohl was den Wirkstoff selbst als auch die Rechtslage bzw. den praktischen Umgang damit betrifft. Es gibt intensive Forschungen auf dem Gebiet der Medizin, vor allem in der Krebsforschung. Hier wird es in den kommenden Jahren zweifellos noch viele Erkenntnisse geben. Doch was bedeutet dies für den Konsum abseits ärztlicher Verschreibungen? Hier gestaltet es sich ähnlich wie bei rezeptfreien Medikamenten oder Produkten der Alternativmedizin. Wer welches Produkt in welcher Qualität und Dosierung zu sich nimmt, liegt in der Verantwortung der Konsumenten.

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Text: Günther Ganhör

Foto: Pixabay.com lizenziert unter CC0 Public Domain