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11.02.2019

Jugendliche im digitalen Zeitstress


Digitaler Zeitstress bei Jugendlichen. (Bild: © olly/Fotolia)

Infografik: www.saferinternet.at, studioback (CC0 Public Domain)

Anlässlich des internationalen Safer Internet Day 2019 wurde Anfang Februar in Wien eine neue Studie vorgestellt, die sich mit der Mediennutzung von Jugendlichen beschäftigt. Die Online-Befragung von 400 Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren wurde vom Institut für Jugendkulturforschung im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT – Saferinternet.at) und der ISPA (Internet Service Providers Austria) durchgeführt.

Zeitstress durch WhatsApp & Co.

Eines der zentralen Befragungsergebnisse lautet, dass nicht wenige junge Menschen Stress aufgrund ihrer Mediennutzung entwickeln. Vor allem, weil viele das Gefühl haben, sofort auf Benachrichtigungen reagieren zu müssen. Mehr als ein Drittel der Befragten (35 %) gab an, dass ihnen das Handy und andere digitale Geräte manchmal zu viel werden. Das trifft auf 15- bis 17-Jährige (44 %) häufiger zu als auf 11- bis 14-Jährige (27 %). Unterschiede gibt es auch zwischen Mädchen (40 %) und Burschen (32 %). 59 Prozent sind laut Befragung „genervt, dass ihre Freunde zu viel auf ihr Handy schauen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Fast genauso viele (55 %) nervt es sogar, dass sie selbst zu viel auf das Smartphone schauen.“ Jugendliche sind auch kritisch gegenüber ihren Eltern: Rund jeden dritten Befragten (34 %) stört, dass diese zu viel Zeit mit dem Handy verbringen. 60 Prozent der Jugendlichen gehen davon aus, dass sie auf Nachrichten in WhatsApp, Snapchat & Co sofort oder zumindest innerhalb weniger Minuten eine Antwort erhalten. Gleichzeitig zählt diese Erwartungshaltung auch für sie selbst zu den größten Stressfaktoren. Gruppen in Sozialen Netzwerken, in denen manchmal Hunderte Nachrichten täglich ausgetauscht werden, verstärken diesen Stress. Gerade für die Jüngeren ist es oft nicht einfach, sich dem Gruppendruck zu entziehen. Sie fürchten soziale Nachteile und Ausgrenzung.

Morgendlicher Griff zum Handy

Ein weiteres interessantes Detail der Befragung: Rund zwei Drittel der jungen Menschen greifen spätestens fünf Minuten nach dem Aufwachen in der Früh das erste Mal auf ihr Handy zu. Nur vier Prozent lassen sich mehr als eine Stunde damit Zeit. Damit ist auch nicht verwunderlich, dass das Handy bei 81 Prozent der Jugendlichen in der Nacht im eigenen Zimmer liegt – bei 30 Prozent eingeschaltet und bei 21 Prozent im Flugmodus, jeweils im oder direkt neben dem Bett sowie bei weiteren 30 Prozent irgendwo im Zimmer.

Familienregeln sind sinnvoll

In den meisten Familien gibt es Regeln zur Nutzung von digitalen Geräten (62%), wie zum Beispiel Handyverbot beim gemeinsamen Essen, beim Erledigen der Hausaufgaben und Zeitlimits. Auch wenn die Regeln nicht immer eingehalten werden, sind diese überaus sinnvoll, wie Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at, betont: „Für die Akzeptanz von Regeln bei den Kindern ist es entscheidend, dass es auch Regeln für die Eltern gibt. Und dass Eltern genauso bereit sind, Konsequenzen zu tragen und sich nicht in Ausreden flüchten. Von diesem Verhalten der Eltern lernen Kinder enorm viel.“

"Digitale Diät"

Vor allem unter den älteren Jugendlichen gibt es mittlerweile jedoch auch erste Vorreiter gegen den digitalen Zeitstress. So geben 28 Prozent der Befragten an, schon einmal eine „digitale Diät“ gemacht, also eine Zeit lang bewusst auf Handy und Computer verzichtet zu haben. „Ich will mich nicht mehr unter Druck fühlen, ständig sofort reagieren zu müssen“, beschreibt eine Fokusgruppen-Teilnehmerin und Schülerin (16 Jahre) ihre Motivation. Zu den praktischen Tipps der Jugendlichen gegen Online-Stress zählen etwa Benachrichtigungen zu deaktivieren, immer wieder den Flugmodus einzuschalten, häufig genutzte Apps vom Startbildschirm zu verbannen und nach hinten zu verschieben und sich in bestimmten Alltagssituationen (z. B. beim Warten auf den Bus) vorzunehmen, das Handy in der Tasche zu lassen und beispielsweise einfach nur Musik zu hören.

 

Quelle und weitere Infos:

Saferinternet.at: Immer mehr Jugendliche im digitalen Zeitstress

 

Bild: © olly/Fotolia

Infografik: www.saferinternet.at, studioback (CC0 Public Domain)