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09.11.2016

Kränkungen am Arbeitsplatz


Fotocredit: shadowtricks / photocase.de

Kennen Sie das? Ihre Leistungen werden vom Chef als eigene verkauft. Einzelne KollegInnen werden vor Ihnen über eine wichtige Neuerung informiert. Ein dienstjüngerer Mitarbeiter wird Ihnen bei einer Beförderung vorgezogen. Ihre Innovationen finden beim Vorgesetzten kein Gehör. Bei einer spannenden Fortbildungsmöglichkeit,  kommt jemand anderer zum Zug…

Wie im privaten Leben gibt es auch im Beruf viele Situationen, die potentiell kränkend sein können. Ob sich jemand tatsächlich gekränkt fühlt, hängt zumindest zu einem Teil auch mit der eigenen Persönlichkeit und den  bisherigen Erfahrungen zusammen. Kränkend sind Anlässe dann, wenn uns ein Thema an einem wunden Punkt berührt, wenn das Gegenüber für uns bedeutsam ist und wenn wir dazu neigen, Dinge, die uns widerfahren, als gegen uns persönlich gerichtet zu sehen. Die gleiche Situation löst bei jemand anderem vielleicht Ärger oder Protest aus oder ist schlichtweg nicht wichtig.

Neben den persönlichen Anteilen steht außer Zweifel, dass auch das Führungsverhalten und die Unternehmenskultur dazu beitragen, ob sich Beschäftigte ausreichend wertgeschätzt fühlen.  Zeigt eine Person hohen Einsatz, wird dafür aber nicht in angemessener Weise entschädigt, sei es in Form von Lohn, Arbeitsplatzsicherheit, beruflicher Entwicklungsmöglichkeiten oder Anerkennung/Wertschätzung, so kommt es zu dem als „Gratifikationskrise“ bezeichneten Krankheitspotenzial.

Kränkungssituationen sind purer Stress. Neben den allgemeinen Stresssymptomen wie Angst, Gereiztheit und Abnahme des Wohlbefindens sinkt auch die Leistungsfähigkeit gekränkter Mitarbeiter/innen. Es kommt häufiger zur Missachtung von Sicherheitsbestimmungen und die Gefahr von Arbeitsunfällen steigt. Darüber hinaus verhalten sich Personen in der Gratifikationskrise weniger gesundheitsbewusst als andere Personen, trinken und rauchen mehr.

Gefangen in der Opferrolle? Kränkungskonflikte sind häufig unter der Oberfläche, lange schwelend. Sie stellen eine Belastung für Führende und Beschäftigte dar und verschlechtern das Arbeitsklima. Daher lohnt es sich, aktiv gegen zu steuern.

Für Betroffene lautet der erste Grundsatz:  Dinge ansprechen, für Transparenz sorgen, wie zum Beispiel: „In letzter Zeit haben Sie mich bei wichtigen Themen übergangen. Warum tun Sie das?“ Oft ist es den Vorgesetzten nicht bewusst, welches Kränkungspotenzial zum Beispiel unklare Kommunikationsstrukturen, unzureichende Arbeitsaufträge, mangelnde Transparenz oder schlichtweg persönliche Eigenheiten der Führungskraft haben.

Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Thema Wertschätzung. Anne Katrin Matyssek, die deutsche Psychologin und Expertin für Betriebliches Gesundheitsmanagement, meint dazu: „Wertschätzung - in welcher Form auch immer - ist für die meisten Menschen ein Lebenselixier. Sie blühen auf, wenn sie sich nicht nur als Leistungserbringer, sondern auch als Person wahrgenommen fühlen. Wertschätzung tut damit nicht nur dem einzelnen Menschen gut, sondern auch dem Betrieb insgesamt.“ Häufig leiden Führungskräfte selbst unter mangelnder Wertschätzung und verlieren daher das Thema wertschätzendes, gesundheitsförderliches Führen leicht aus dem Blick.

Das Institut Suchtprävention bietet im Rahmen von betrieblichen Suchtpräventionsprojekten ein Führungskräfteseminar zum Thema „gesundheitsorientiertes Führen“ an. 

 

Kontakt: DSA Herbert Baumgartner, MA,
Leitung Abteilung Außerschulische Jugend und Arbeitswelt
herbert.baumgartner(at)praevention.at | Tel.: 0732 77 89 36-16 bzw. 0664 43 55 325

 

Artikel: Mag. Rosmarie Kranewitter-Wagner, Institut Suchtprävention

 

Weiterführende Literatur:
Bärbel Wardetzki: Gefangen in der Opferrolle: Persönlicher Stress durch Kränkungen. In: Wirtschaftspsychologie aktuell 2/2016

 

Bildnachweis: shadowtricks / photocase.de