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19.03.2018

Unterschätzte Gefahr: Autofahren unter Medikamenteneinfluss


Viele Medikamente beeinflussen die Fahrtüchtigkeit.

Laut einer Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) unterschätzen viele Kfz-Lenker die Gefahren, die durch Einnahme von Medikamenten im Straßenverkehr entstehen, obwohl laut Expertenschätzungen bis zu 30 Prozent der zugelassenen Medikamente Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit haben. Laut KfV könnten demnach zwischen 8 und 25 Prozent aller Verkehrsunfälle direkt oder indirekt auf Medikamenteneinnahme zurückzuführen sein, in absoluten Zahlen wären das zwischen 3000 und 9000 Unfälle. Das KFV schätzt, dass in den letzten 12 Monaten über 500.000 Menschen in Österreich ein Kraftfahrzeug gelenkt haben, obwohl sie nicht sicher waren, ob sie verkehrstüchtig waren.

Abgefragt wurden Medikamente wie Grippemittel, Schmerzmittel, Antidepressiva, Schlafmittel sowie Beruhigungsmittel. 23 Prozent der Befragten gaben an, den Beipackzettel selten bzw. nie bewusst zu lesen, um über die Nebenwirkungen bzw. möglichen Beeinträchtigungen des Medikaments auf die Verkehrstüchtigkeit Bescheid zu wissen. Das auf der Medikamentenschachtel aufgedruckte Warndreieck mit Rufzeichen ist nur 24 Prozent der Befragten bekannt.

Besonders kritisch seien laut KfV die Auswirkungen von Medikamenten mit einer mehrstündigen Wirkdauer auf die Fahrtauglichkeit. Dazu zählen vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel, die seit einigen Jahren immer häufiger bei Schlafstörungen verordnet werden. Tückisch sei hier der so genannte "Hangover-Effekt": Manche Präparate haben demnach noch 16 Stunden nach der Einnahme eine Wirkung, die 0,5 bis 0,8 Promille Blutalkohol entspricht. In der Dunkelzifferstudie des KFV gaben jedoch 73 Prozent der Autofahrer an, dass sie sich bereits innerhalb von acht Stunden nach der Einnahme eines Medikaments wieder ans Steuer setzen würden, 29 Prozent würden sogar unmittelbar danach ein Fahrzeug lenken. Das Lenken eines Fahrzeugs unter dem Einfluss von Medikamenten stellt somit eine vielfach unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr dar.

„Lesen Sie deshalb unbedingt immer den Beipackzettel, bevor Sie Auto oder Fahrrad fahren“, empfiehlt KfV-Direktor Dr. Othmar Thann. „Achten Sie auf den Gefahrenhinweis auf den Medikamentenpackungen und beachten Sie, dass Nebenwirkungen länger anhalten können. Jeder Autofahrer ist selber verantwortlich zu entscheiden, ob er fahrtauglich ist.“

 

Quellen und weitere Infos:

Aussendung KfV: Gefährliche Nebenwirkungen – Medikamente am Steuer

Beitrag ORF-ON: Viele Unfälle wegen Medikamenteneinfluss


Foto: Pixabay.com lizenziert unter CC0 Public Domain