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QUELLE: http://www.praevention.at

07.02.2020

Drogensituation in Österreich weitgehend stabil

Die Gesundheit Österreich GmbH erstellt im Auftrag der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) und des Gesundheitsministeriums jährlich einen Bericht über die Drogensituation in Österreich. Dabei zeigen sich im zuletzt veröffentlichten Bericht (Dezember 2019) keine maßgeblichen Änderungen gegenüber den Vorjahren.

Konsumerfahrungen mit illegalen Drogen finden sich in Österreich am häufigsten mit Cannabis. Die jüngste österreichische Bevölkerungserhebung zu Substanzgebrauch (veröffentlicht 2016) weist einen Anteil von 24 Prozent konsumerfahrener Personen in der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen aus. Aus den meisten Repräsentativstudien ergeben sich weiters Konsumerfahrungen von etwa zwei bis vier Prozent für „Ecstasy“, Kokain und Amphetamin sowie von rund ein bis maximal zwei Prozent für Opioide und Neue psychoaktive Substanzen (NPS, auch Research Chemicals bzw. Legal Highs genannt).

Klar abzugrenzen von Probierkonsum und weitgehend unproblematischem gelegentlichem Konsum ist der so genannte risikoreiche/problematische Drogenkonsum. Darunter fällt etwa der in Österreich relevante „polytoxikomane Drogenkonsum mit Beteiligung von Opiaten“. Aktuell konsumieren zwischen 35.000 und 38.000 Personen risikoreich Opioide (meist in Kombination mit anderen illegalen Drogen, Alkohol oder Psychopharmaka). Etwa die Hälfte dieser Personen lebt in Wien (problematischer Drogenkonsum findet nach wie vor in Ballungszentren häufiger statt als in ländlichen Gebieten). In etwa drei Viertel der Betroffenen sind Männer. Nur neun Prozent der Betroffenen sind unter 25 Jahre alt, 39 Prozent sind 25 bis 34 Jahre und 52 Prozent sind 35 Jahre oder älter.

184 Todesfälle im Jahr 2018

Für das Jahr 2018 (Berichtszeitraum) wird von 184 Todesfällen aufgrund von Drogenüberdosierung ausgegangen. Diese Zahl ist im Vergleich zu 2017 leicht gestiegen, ein Trend lässt sich derzeit daraus aber nicht ableiten. Tödliche Überdosierungen betreffen vorrangig Männer (ca. 75%), die Verstorbenen waren im Schnitt 34,2 Jahre alt. In drei Fällen ist laut Bericht von einem Suizid auszugehen.

Bei 93% der Todesfälle wurden Opiate (6%) bzw. Misch-intoxikationen (87%) mit Opiaten (d. h. Opiate in Kombination mit Alkohol, Psychopharmaka oder anderen Suchtgiften) festgestellt. Der Rest verteilt sich auf die Substanzgruppen Amphetamin, Ecstasy, Methamphetamin und NPS (Neue Psychoaktive Substanzen).

Ein gravierendes Problem bei intravenös Drogenkonsumierenden stellt die Hepatitis C Infektion dar. Die Behandlungsangebote werden für diese Zielgruppe – oft in Kooperation zwischen Kliniken, niederschwelligen Suchthilfeeinrichtungen oder Apotheken – weiter ausgebaut. Auch das in sieben von neun Bundesländern bestehende Angebot des Spritzentausches stellt eine relevante Intervention zur Reduktion drogenassoziierter Infektionskrankheiten (HIV, HCV, HBV) dar.

Erfreulich ist, dass die Zahl der Einsteiger/innen in den risikoreichen Opioidkonsum  weiterhin rückläufig ist und sich über 50 Prozent der Personen mit einer Opioid-Problematik in Behandlung befinden.

 

Positive Trends bei legalen Substanzen

Neben dem Bericht zur Drogensituation hat die Gesundheit Österreich GmbH im Auftrag des Gesundheitsministeriums mit dem "Epidemiologiebericht Sucht" im Dezember 2019 ein zweites Schriftstück veröffentlicht. In diesem Bericht wird auch die Situation im Bereich der legalen Substanzen analysiert. Die wichtigsten Ergebnisse dazu lauten:

Rauchen ist die am weitesten verbreitete Sucht in Österreich. Jede vierte bis fünfte Person gibt an, täglich zu rauchen, ein Drittel davon hat vor Kurzem erfolglos versucht, mit dem Rauchen aufzu-hören. Tabakrauchen ist in Österreich gemäß aktueller Schätzungen für 15 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Seit 2002 hat sich der Anteil der rauchenden Kinder und Jugendlichen mehr als halbiert. Zu neuen Tabakprodukten und Konsumformen (z. B. Shisha) gibt es in Österreich nach wie vor wenige Daten.

Alkohol ist jene gesundheitsgefährdende psychoaktive Substanz, mit der in Österreich die meisten Menschen Erfahrungen machen. Etwa jede siebte Person in Österreich trinkt in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß, wobei ein solches Verhalten bei Männern doppelt so häufig feststell-bar ist wie bei Frauen. Generell lassen sich positive Entwicklungen beobachten: Der problemati-sche Alkoholkonsum, alkoholassoziierte Erkrankungen und Todesfälle sind seit Jahren rückläufig. Auch bei den Jugendlichen zeigt sich insgesamt ein Rückgang des Alkoholkonsums.

 

Quellen und weiterführende Infos:

Gesundheit Österreich GmbH: Bericht zur Drogensituation 2019

Gesundheit Österreich GmbH: Epidemiologiebericht Sucht