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Nikotin im Wandel - Nachlese zur "Veranstaltung thema" 2025

24. November 2025

Nikotin im Wandel: Nachlese zur Veranstaltung thema 2025

Rund 100 Personen nahmen am 11. November 2025 an der Veranstaltung „thema“ teil. Dieses Mal stand das Thema Nikotin im Mittelpunkt der Vorträge, die von PD Dr. Tobias Rüther (LMU München) und DSA Dieter Geigle, MA (Institut Suchtprävention, pro mente OÖ) gestaltet wurden. Durch das Programm führte erstmals Mag. Sonja Hörmanseder vom Institut Suchtprävention, pro mente OÖ.

Dass das Thema Nikotin aktuell wie nie ist, machte Dr. Rainer Schmidbauer, Leiter des Instituts Suchtprävention, bereits in seinem Eingangsstatement deutlich. So steigen laut der jüngsten ESPAD-Studie derzeit erstmals mehr Jugendliche über E-Zigaretten in den Nikotinkonsum ein als über herkömmliche Zigaretten.

Dr. Rüther, Leiter der Abteilung Suchtmedizin am LMU Klinikum München und Leiter der LMU Spezialambulanz für Tabakabhängigkeit, betonte in seiner Keynote mehrfach die Schädlichkeit von Tabak und Nikotin. Vor allem das Rauchen sei immer noch ein großes Gesundheitsproblem, auch im Vergleich zu anderen psychoaktiven Substanzen. Jährlich sterben allein in Österreich tausende Menschen an den Folgen des Tabakrauchens. Auch weltweit stelle das Rauchen die größte vermeidbare Todesursache der Welt dar. Es sei schon in niedrigen Dosierungen überaus schädlich für den Körper, vor allem aufgrund der Giftstoffe, die durch die Verbrennung bzw. durch das Verglimmen von Tabak entstehe.

Die rasche Abhängigkeit und die hohe Suchtpotenz entstehe jedoch nicht durch die Verbrennung oder Verdampfung, sondern durch den Wirkstoff Nikotin. Nikotin sei zwar laut den Ausführungen Dr. Rüthers „weniger schädlich“ als bislang allgemein angenommen, dennoch sei es deshalb nicht „gesünder“. Rüther hält in diesem Zusammenhang E-Zigaretten, trotz vieler Bedenken, für einen grundsätzlich vertretbaren Harm-Reduction-Ansatz. Wobei die Frage, ob sich diese Produkte für einen Ausstieg aus dem klassischen Rauchen eignen, nicht eindeutig geklärt sei. Eindeutig abzulehnen sei laut Rüther jedoch die Vermarktung neuer Nikotinprodukte, wie zum Beispiel Nikotinbeutel oder bunte Vapes, die derzeit den Markt regelrecht fluten. Diese Nikotinprodukte zielen stark auf junge bzw. jugendliche Zielgruppen ab und seien zum Teil mit Nikotinsalzen versetzt, die den Wirkstoff noch schneller über die Blutbahn transportieren, wodurch wiederum das Abhängigkeitsrisiko weiter gesteigert werde. Dazu gehören auch die derzeit mehr als 7.000 unterschiedlichen Aromastoffe, mit denen die Produkte so designt werden, damit sie schmecken und „Spaß machen“.

Präventive Maßnahmen seien daher sowohl auf individueller als auch auf struktureller Ebene nötig. Neben Informationen zum Thema Nikotin, aber auch Angeboten für einen Rauchstopp seien vor allem gesetzliche Vorgaben nötig, die u.a. einen effektiven Jugendschutz gewährleisten, um den Einstieg ins Rauchen bzw. in den Konsum von nikotinhaltigen Produkten zu verhindern. Dies sei vor allem angesichts einer sehr kreativen Tabakindustrie, die laufend neue Produkte generiere, von zentraler Bedeutung.

Der zweite Teil unserer Veranstaltung wurde von DSA Dieter Geigle, MA, Fachreferent am Institut Suchtprävention, gestaltet. Er wies in seinem Referat u.a. auf die im Grunde erfolgreiche Verhältnisprävention hin, die in den vergangenen Jahren den Zigarettenkonsum verringerte, bis nach und nach neue, v.a. auf jugendliche Zielgruppen zugeschnittene Nikotinprodukte den Markt eroberten.

Wie sollen wir aber als erwachsene Bezugspersonen adäquat mit diesen aktuellen Entwicklungen umgehen? Dieter Geigle stellte dazu vier Eckpunkte dar, die Orientierung bieten können: Neben der Wissensvermittlung zum Thema Nikotin seien vor allem die Bereiche Gesetze und Regeln, Umgang bzw. Pädagogik sowie die Frage der Dringlichkeit von Bedeutung.

Als ein Beispiel für den Bereich Wissen sei etwa das Wissen um das „bivalente Wirkspektrum“ von Nikotin relevant. So kamen bei der Frage nach den Konsummotiven jugendlicher Nikotin-Konsument*innen laut der jüngsten ESPAD-Befragung einerseits der „Kick“ und andererseits das Motiv „Entspannung“ auf die höchsten Werte (neben dem allgemeinen „Verlangen nach Nikotin“).

Allgemein sei es wichtig, sich Information zum Thema und somit Wissen einzuholen, Regeln zu erstellen und dabei auch die Gesetze zu kennen, Vorbild zu sein und Haltung zu zeigen, Mythen aufzuklären und Wissen zu vermitteln sowie bei Bedarf sich Hilfe zu holen bzw. sich unterstützen zu lassen.

Vor allem das direkte Gespräch eigne sich hervorragend um einerseits in Kontakt mit Jugendlichen zu bleiben, aber auch um gegebenenfalls eine Intervention zu setzen. Wenn das Ziel eine Intervention (z.B. das Ansprechen auf möglichen Nikotinkonsum) sein soll, dann ist für Dieter Geigle zunächst die eigene Haltung und der eigene Zugang („Set“) entscheidend, um die Förderung des Problembewusstseins in der Gesprächsführung zu gestalten. Dies kann beispielsweise durch klare Aussagen gelingen, die aber auch mit Kontaktangeboten verbunden sind, im Sinne von Helfen statt Strafen. Neben der individuellen Ebene seien aber auch das Handeln im jeweiligen Umfeld sowie die Zielgruppen („Setting“) von hoher Bedeutung. Diese strukturelle Ebene beinhaltet beispielsweise die Bereiche Schule, Schulleitung, Eltern, Klasse, usw. sowie die damit verbundenen Handlungsmöglichkeiten wie Stufenmodelle, Unterrichtseinheiten, usw., die im Idealfall als Maßnahmenbündel und nicht als Einzelaktionen gesetzt werden sollten. 

Grundsätzlich sei die Erziehung unserer Kinder aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auf mehreren Ebenen stattfinde. Wichtig für Eltern sei in jedem Fall aber in Kontakt und im Austausch mit dem eigenen Kind zu bleiben, um mögliche Stressfaktoren bereits frühzeitig zu erkennen.

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