Bereits im Jahr 2013 wurde vom Land Oberösterreich die gesetzliche Grundlage zur flächendeckenden Einführung von Testkäufen zur Kontrolle der Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen in Oberösterreich geschaffen. Seit 2014 ist das Institut Suchtprävention von pro mente OÖ beauftragt, diese Testkäufe oberösterreichweit, flächendeckend durchzuführen. Seit Juli 2019 werden neben Alkohol- auch Tabak-Testkäufe durchgeführt und seit Februar 2024 sind in den Testkäufen tabakfreie Nikotinbeutel und rauchbare CBD-Produkte (im Rahmen eines Pilotprojekts) integriert.
Die aktuelle Testkaufbilanz für das Jahr 2025 wurde am 8. April 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz von Jugendschutz-Landesrat Mag. Martin Winkler und Mag. Dietmar Krenmayr, MA, Projektleiter Testkäufe am Institut Suchtprävention, präsentiert.
Insgesamt wurden im Vorjahr 1.055 standardisierte Testkäufe durchgeführt - davon 583 im Lebensmitteleinzelhandel, 139 in Tankstellenshops und 125 in Gastronomiebetrieben. 208 Testkäufe wurden in Tabakfachgeschäften getätigt. Zudem wurden im Rahmen eines Pilotprojekts 41 Testkäufe für CBD-Produkte durchgeführt, die nicht in die Gesamt-Abgabequote einfließen. Es wurden vier Produktklassen getestet: Alkohol als einzelnes Produkt, Tabak oder Nikotinbeutel als einzelnes Produkt und Alkohol und Tabak bzw. Nikotinbeutel gleichzeitig („Kombikauf“).
Niedrigste Abgabequote seit Einführung der Testkäufe
In 871 der getesteten Betriebe (82,6 %) wurden die geltenden Jugendschutzbestimmungen eingehalten und kein gebrannter Alkohol oder Tabakwaren an Minderjährige abgegeben, in 184 Betrieben (17,4 %) war dies nicht der Fall. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Abgabequote damit um 2,1 Prozentpunkte von 19,5 % Abgaben auf 17,4 %.
Die Abgabequoten in Tankstellenshops, in der Gastronomie und in Tabakfachgeschäften veränderten sich jeweils zum Positiven. Während in Tankstellenshops die Abgabequote um 9,8 % auf 13,7 % im Vergleich zum Vorjahr sank, gab es in der Gastronomie einen Rückgang um 4,9 % auf 15,2 %. Bei den getesteten Tabakfachgeschäften verbesserte sich die Abgabequote um 1 % auf 12,5 %. Sie wiesen auch 2025 von allen Branchen das beste Testergebnis aus. Langfristig lässt sich eine klare positive Entwicklung der Abgabequote seit der Einführung der Testkäufe feststellen.
Jugendschutz-Landesrat Martin Winkler zu den Ergebnissen: „Die aktuellen Ergebnisse zeigen die niedrigste Abgabequote seit Einführung der Testkäufe und bestätigen den langfristig positiven Trend der vergangenen Jahre. Das verdeutlicht, dass das Testkaufsystem ein wirksames Instrument ist, um die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes zu verbessern und den Zugang zu gesundheitsschädlichen Produkten für Minderjährige konsequent einzuschränken.“
Abgaben trotz Ausweiskontrollen
Die Höhe der Abgabequote ist nicht nur dadurch beeinflusst, dass das Verkaufspersonal die Alterskontrolle nicht durchführt, sondern das Alter der jugendlichen Testkäufer*innen auch in einigen Fällen durch das Personal falsch berechnet wurde. Bei 49,5 % aller Abgaben (91 von 184 Käufen) wurde vom Personal der Ausweis kontrolliert und dennoch die gewünschten Artikel verkauft. Knapp die Hälfte aller Abgaben wäre also durch die Vermeidung von Fehlberechnungen des Personals bei der Ausweiskontrolle verhinderbar gewesen.
„49,5 % der Abgaben passierten trotz Ausweiskontrolle. Das heißt, jede zweite Abgabe hätte durch eine korrekte Berechnung des Alters verhindert werden können. Technische Hilfsmittel könnten dem Personal Rechenfehler in stressigen Situationen ersparen. Hier gäbe es mehrere Möglichkeiten zur Berechnung des Alters für das Kassen- und Schankpersonal. Diese können am besten in zusätzlichen Softwarefunktionen in der Kassensoftware, aber evtl. auch in Handy-Apps verwirklicht werden“, erklärt Dietmar Krenmayr, Projektleiter der Testkäufe am Institut Suchtprävention.
Aufnahme von E-Zigaretten in Testkaufsystem
Die aktuellen Ergebnisse untermauern, dass Alterskontrollen weiterhin ein zentraler Schlüssel für wirksamen Jugendschutz sind. Insgesamt gab ca. jeder elfte Betrieb (8,8 %) gebrannten Alkohol oder Nikotinprodukte an unter 16-jährige Jugendliche ab, ohne einen Ausweis zu kontrollieren oder auch nur nach dem Alter zu fragen.
Der Konsum von E-Zigaretten hat in jüngster Vergangenheit bei den Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren immer mehr zugenommen. Das haben Studien-Ergebnisse in der Vergangenheit belegt. Daher wurden die so genannten “Vapes” von Jugendschutz-Landesrat Winkler in die Testkäufe 2026 aufgenommen.
TV-Beiträge zum Thema:
- Beitrag ORF OÖ - Heute vom 8. April 2026 (ab Min. 5:26 - noch bis 7. Mai 2026 verfügbar)
- Beitrag LT1 - News vom 8. April 2026








