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Chronischer Alkoholkonsum - Alkoholabhängigkeit

Bei einem über einen langen Zeitraum und in regelmäßiger Weise durchgeführten Alkoholkonsum der über der Gefährdungsgrenze von 40 bzw. 60 Gramm reinen Alkohols pro Tag liegt, ist damit zu rechnen, dass es zu einer ernsten alkoholbedingten Schädigung des Organismus kommt. Diese Schädigung muss allerdings nicht notwendigerweise mit einer körperlichen Abhängigkeit einhergehen.

 

Psychische und körperliche Abhängigkeit entstehen in der Regel in einem langwierigen, jahrelangen Prozess. Die körperliche Abhängigkeit manifestiert sich unter anderem in einer Toleranzentwicklung gegenüber Alkohol. Das heißt, um die gleiche Wirkung der Substanz hervorzurufen, ist eine immer höhere Dosis notwendig. Zudem treten Entzugserscheinungen auf, wenn einige Zeit kein Alkohol getrunken wurde. In der Medizin gelten auch Alkoholabhängige, denen es gelingt phasenweise oder gänzlich alkoholabstinent zu leben als "Alkoholiker", da die grundlegende Suchtproblematik auch im Falle einer Abstinenz bestehen bleibt. (Rückfallsrisiko)

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die Diagnose „Abhängigkeit“ nach den Kriterien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD 10). Das darin beschriebene Abhängigkeitssyndrom (ICD 10, F10.2) bezieht sich auf psychoaktive Substanzen, Medikamente, Alkohol und Tabak. „Psychoaktiv“ bedeutet, Bewusstsein, Wahrnehmung, Denken oder Stimmung verändernd.

Die sichere Diagnose „Abhängigkeit“ sollte nur gestellt werden, wenn irgendwann während des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorhanden waren:

  1. ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, psychoaktive Substanzen zu konsumieren („Craving“)
  2. verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums
  3. ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums, nachgewiesen durch die substanzspezifischen Entzugssymptome oder durch die Aufnahme der gleichen oder einer nahe verwandten Substanz, um Entzugssymptome zu mildern oder zu vermeiden
  4. Nachweis einer Toleranz: Um die ursprünglich durch niedrige Dosen erreichten Wirkungen der psychoaktiven Substanz hervorzurufen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich. (Eindeutige Beispiele hierfür sind die Tagesdosen von Alkoholikern, die bei Konsumenten ohne Toleranzentwicklung zu einer schweren Beeinträchtigung oder sogar zum Tod führen würden.)
  5. fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums, erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen.
  6. anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen, wie z. B. Leberschädigung durch exzessives Trinken, depressive Verstimmungen infolge starken Substanzkonsums oder drogenbedingte Verschlechterung kognitiver Funktionen

Wie viele Alkoholabhängige gibt es in Österreich?


Circa fünf Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ab dem 15. Geburtstag sind als "chronische Alkoholiker" zu klassifizieren, was in absoluten Zahlen rund 350.000 Staatsbürgern - ein Viertel Frauen, drei Viertel Männer -  entspricht.

Im Laufe des Lebens werden rund zehn Prozent der Österreicher alkoholkrank (vgl. Handbuch Alkohol, Uhl et al. 2011,  Tabelle 30). Auf die Geschlechter aufgeteilt heißt das, dass jeder 7. Mann und jede 17. Frau in Österreich im Verlauf seines/ihres Lebens alkoholabhängig wird.

Pro Jahr erkranken rund 0,2 Prozent der Männer, 0,07 Prozent der Frauen bzw. 0,13 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher neu an chronischem Alkoholismus (Inzidenz), das entspricht in etwa 10.000 Neuerkrankungen pro Jahr.

Missbrauch von Alkohol und Alkoholkranke nach Geschlecht:

Todesfälle in Zusammenhang mit Alkohol


Pro Jahr sterben in Österreich rund 100 Personen an einer Alkoholvergiftung. Diese sind als „Alkoholtote im engsten Sinne“ zu bezeichnen. Von den 80.000 Österreichern, die pro Jahr sterben, sind 10 Prozent (d.h. 8.000 Personen) Alkoholiker. Da diese durchschnittlich um 20 Jahre früher sterben, kann man auch diese als „Alkoholtote im Sinne von verstorbenen Alkoholikern“ bezeichnen. 

 

Weiterführende Literatur: Uhl & Kraus, 2006 Substanzkonsum und Sterblichkeit: Das Dilemma der Kausalität, Suchttherapie, 7,4, 162-172.