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Amphetamine

Unter Amphetaminen versteht man eine Gruppe von psychoaktiven Substanzen, deren Wirkung in erster Linie anregend und aufputschend ist. Amphetamine leiten sich chemisch – wie andere Psychostimulanzien – von einer so genannten Muttersubstanz, dem Phenylethylamin, ab und sind den körpereigenen Hormonen Adrenalin und Noradrenalin strukturähnlich aufgebaut. Bei einer Adrenalinausschüttung im Körper wird höchste Leistungsfähigkeit hergestellt, wie sie bei Kämpfen oder bei der Flucht erforderlich ist: Im Bereich der Bronchien erweitert Adrenalin die Blutgefäße und
verhilft so zu einer besseren Atmung. Zudem erhöht es die Frequenz und die Schlagkraft des Herzens und erzeugt einen höheren Blutdruck, was ebenso
zu einer höheren Leistungsfähigkeit beiträgt wie die Freisetzung von Energieträgern wie Glukose – eine weitere Wirkung des Adrenalins.


Methamphetamin ist ein Abkömmling des Amphetamins mit ähnlicher, jedoch stärkerer und längerer Wirkung.

 

Amphetamine sind psychotrope Stoffe gemäß internationalen Übereinkommen und österreichischem Suchtmittelrecht. Die Herstellung, Abgabe und Verwendung von Amphetaminen und amphetaminähnlichen Stoffen sind somit gesetzlich geregelt. Ärzte und Ärztinnen können Amphetamine und amphetaminähnliche Medikamente per Rezept verschreiben. Der Konsum von Amphetamin ohne medizinische Verschreibung ist verboten und nach dem Suchtmittelgesetz strafbar. Ausnahmen gelten für gewisse amphetaminähnliche Arzneimittel.

 

Wirkungen

Die körperlichen und psychischen Wirkungen der Amphetamine sind vielfältig:

 

  • Sie unterdrücken das Gefühl von Müdigkeit und das Bedürfnis nach Schlaf.
  • Sie erzeugen Gefühle erhöhter Wachheit und Euphorie.
  • Sie erhöhen die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.
  • Sie lassen Hungergefühle verschwinden und vermindern Schmerz­
    gefühle.
  • Sie steigern das Selbstbewusstsein.


Eine  objektivierbare  Verbesserung  der  geistigen  Leistungsfähigkeit und Kreativität tritt jedoch nicht ein, wenn auch subjektiv dieser Eindruck infolge der Unterdrückung von Müdigkeit bei gleichzeitiger Enthemmung, abnehmender Kritikfähigkeit und verbesserter physischer Leistungsfähigkeit und Ausdauer entstehen mag.

 

Unmittelbare Risiken

Amphetamine aktivieren das Herz-Kreislauf-System. Bereits bei geringem Konsum steigen der Puls und die Herzfrequenz, was zu Herzrasen, Bluthochdruck bis hin zu Wärmestau, Kollapszuständen und Schlaganfällen führen kann. "Speed kills" galt bereits in der Zeit der "Flower Power"-Drogenepoche als stehende Redewendung. Als potenziell tödliche Einzeldosis gelten 100 Milligramm oral eingenommen. Wer nicht an Amphetamin gewöhnt  ist,  kann  schon  mit  weniger  in  Lebensgefahr  geraten.  Plötzliche  Todesfälle  bei  Sportlern  werden  oft  dem  Amphetamingebrauch zu Dopingzwecken zugeschrieben. Auch die Gewichtsregulierung durch Amphetamine  kann  bedrohliche  körperliche  Nebenwirkungen  haben (Blutdruckschwankungen, Lungenhochdruck). Zu gefährlichen Schwankungen des Blutdruckes kann es auch bei der gleichzeitigen Einnahme von Amphetaminen  und  Medikamenten,  die  auf  das  Zentralnervensystem wirken (z.B. Antidepressiva), kommen. Bei Amphetamin-Injektionen besteht zudem das Risiko der Hepatitis und HIV-Infektion.


Risiken des chronischen Amphetamingebrauchs


Das größte Risiko beim länger dauernden Amphetamingebrauch ist zweifelsohne die Entwicklung einer psychischen Abhängigkeit. Die Suchtklassifizierung der Weltgesundheitsbehörde (WHO) kennt den Typus der Amphetamin-Abhängigkeit, die sich durch eine besonders starke psychische Abhängigkeit auszeichnet. Eine Gewöhnung an Amphetamine setzt relativ schnell ein (nach ein bis vier Wochen des Konsums). Die dabei entstehende Toleranz hinsichtlich der Drogenwirkung macht Dosissteigerungen unausweichlich. Beim Absetzen der Amphetamine kommt es zu Entzugserscheinungen, die sich in Form von Mundtrockenheit Schlaflosigkeit, Unruhe, aber auch in Form psychischer Symptome wie Stimmungsschwankungen, Angststörungen, Depressivität und paranoid-psychotischer Reaktionen (paranoide Amphetaminpsychose) äußern können. Neben dem Abhängigkeitsrisiko führt Speedkonsum zu einer erhöhten Risikobereitschaft mit entsprechenden Folgeproblemen (Unfällen, Gewaltakten). Eine Daueranwendung von Amphetaminen kann zu paradoxen Wirkungen und Nebenwirkungen führen. Häufig sind nach Langzeitgebrauch Konzentrationsstörungen, Hektik, Realitätsverlust, aber auch Persönlichkeitsveränderungen, Deliriumzustände und Halluzinationen festgestellt worden. Bei häufigem Gebrauch kann es bei Frauen zu
Menstruationsstörungen kommen.

 

Prävention

 

Amphetamine und amphetaminähnliche Mittel lassen sich angesichts ihres hohen Schadenspotenzials nur im Rahmen einer engen medizinischen Indikation verantwortungsbewusst anwenden. Von einer Selbstmedikation mit Amphetaminen etwa bei Müdigkeit oder Übergewicht ist wegen des hohen Risikos einer psychischen Abhängigkeit dringend abzuraten. Auch in der Funktion als "Weckmittel" sollten Amphetamine nicht verwendet werden. Wer verschreibungspflichtige Amphetamine als "Lebensstildroge" zweckentfremdet, betreibt Medikamentenmissbrauch. Amphetamine mit Suchtmittelstatus, die ärztlich nicht verschrieben werden können, sind verbotene Substanzen, deren Konsum nicht allein wegen der Substanz selbst, sondern auch wegen der unbekannten Verunreinigungen, Beimischungen und Dosierungen der Drogen auf dem Schwarzmarkt höchst risikoreich ist.

 

Die Prävention des Amphetamingebrauchs kann hier nur einen Nichteinstieg in den Speedkonsum bzw. den Ausstieg daraus anvisieren. Dazu bedarf es der Vermittlung inhaltlichen Drogenwissens über die Risiken sowie der Förderung der nötigen emotionalen und sozialen Kompetenzen, um die "gesunde Entscheidung" des Nichtkonsums treffen zu können. Besonders die Einsicht in die eigenen Grenzen, die sich dauerhaft auch chemisch nicht verschieben lassen, sollte dabei gefördert werden.


Wer mit Amphetaminen Gefühle von Müdigkeit und Erschöpfung bekämpft, verliert die Signalwirkung dieser Körperempfindungen und bringt seinen Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander. Speed wirkt wie die sprichwörtliche Peitsche auf das bereits müde Pferd. Statt durch Erholung und Ruhezeiten dem Körper eine Chance zur Regenerierung zu geben, werden letzte Reserven mobilisiert und damit chronischen Erschöpfungszuständen Vorschub geleistet. Fitness und
Leistungsfähigkeit auf natürlicher Basis lassen sich durch Sport und ausgewogene Ernährung fördern. Eine verbesserte Konzentration bewirken
Techniken wie das Autogene Training oder auch fernöstliche Meditation. Auch zur Gewichtsreduzierung gibt es gesündere Maßnahmen wie eine kalorienarme Ernährung und mehr Bewegung.

Informationsfolder zum Thema Amphetamine: