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Kulturgeschichte des Tabaks

Die Herkunft des Wortes Tabak ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich stammt es von den Antillen, wo das Rauchrohr „tabacco“ genannt wurde. In Europa war Tabak vorerst unbekannt. Erst nach der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 kam der Tabak nach Europa. In der andalusischen Hauptstadt Sevilla gelang es erstmals, die Tabakpflanze in Europa zu akklimatisieren. Der französische Gesandte in Lissabon, Jean Nicot, brachte im Jahre 1560 die Tabakpflanze an den Hof von Paris. Daher stammt auch der Name Nikotin. Auf Grund der relativ niedrigen Kosten des Rauchens fand der Tabakkonsum rasche Verbreitung. In Europa waren die West- und Südeuropäer die Vorreiter, da portugiesische, spanische, holländische und englische Seeleute am frühesten mit den „amerikanischen“ Kulturen in Berührung gekommen sind. Auch im skandinavischen Raum, in der Türkei und in Russland wurde früher geraucht als in Österreich.

 

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Tabakgenuss immer wieder verboten – allerdings nicht nur wegen der gesundheitlichen Gefahren, sondern viel mehr wegen der Brand- und Explosionsgefahr in den Holzhäusern und Munitionslagern. Oder einfach deshalb, weil er den Interessen der religiösen oder politischen Oberhäuptern widersprach. Im 17. Jahrhundert musste ein Tabakkonsument in manchen Ländern durchaus damit rechnen, exkommuniziert, eingesperrt oder gar exekutiert zu werden. Auch die Art des Tabakkonsums war der jeweiligen Mode unterworfen: In Österreich kam in den höheren Kreisen zuerst das Pfeifenrauchen auf, die armen Leute mussten sich mit dem Kauen von Tabak begnügen. Im 18. Jahrhundert wurde der Schnupftabak an den Adelshöfen salonfähig. Zu Beginn des 19. Jh. wendete sich das Blatt – man fand schnupfen unhygienisch und man rauchte wieder Pfeife – genau genommen nur Männer. Rauchende Frauen – das war damals schlicht undenkbar. Als der nichtrauchenden Gesellschaft der Qualm zu viel wurde, begann man „Frauenzimmer“ einzurichten, in denen absolutes Rauchverbot herrschte. Erst mit Ende des 19. Jh. begannen sich die Frauen zu emanzipieren und sie rauchten jetzt auch – Zigaretten.

Entwicklung des Tabakkonsums in Österreich

Ende des 16. Jahrhunderts war Tabak in Österreich schon als Zierpflanze bekannt. Durch den Dreißigjährigen Krieg  wurde  das  Tabakrauchen  auch  nach Österreich  gebracht.  Die  erste Nachricht über das Rauchen in Österreich stammt aus dem Jahr 1644. Auch die ersten Berichte über zunehmenden Tabakanbau stammen aus dieser Zeit. Wie stark die Verbreitung des Tabakkonsums gewesen sein dürfte, brachte Abraham a Santa Clara zum Ausdruck, als er in den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts behauptete: „Ich kenne kein Land, keine Stadt, keinen Markt, kein Dorf, keinen Weiler, ja nicht einmal ein Haus, in welchem nicht eine unsägliche Menge der stinkenden Tobacks-Menschen zu finden ist“. Der Tabakkonsum des späten 17. Jahrhunderts und beginnenden 18. Jahrhunderts lässt sich nur schwer beziffern. Exaktere Daten stehen ab der Einführung des Tabakmonopols (1784) zur Verfügung. Im gesamten Monopolgebiet der Monarchie wurde pro Kopf im Jahr etwa 0,5 kg Tabak geraucht, gekaut und geschnupft. Der Verbrauch im heutigen Österreich stieg von 1,1 kg im Jahre 1837 auf 1,9 kg im Jahre 1900. Im Vergleich dazu lag der Verbrauch pro Kopf im Jahre 1983 bei 2,2 kg. Seit  der  Einführung  des  Tabakmonopols  haben  sich  die Konsumgewohnheiten  erheblich verändert.

 

Im Jahre 1784 entfielen 70 Prozent der abgesetzten Menge auf Rauchtabak, der Rest auf Schnupftabak. Der Rauchtabakanteil erreichte 1837 mit 87 Prozent sein Maximum. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden den Österreicher/innen erstmals Zigarren angeboten. Die Zigarren waren teuer und somit dem Bürgertum vorbehalten. Sie galten dem Bürgertum des Vormärz als Kennzeichen einer revolutionären Gesinnung. Den größten Anteil am Tabakumsatz erreichte die Zigarre im Jahre 1885 mit 19,8 Prozent. Doch die weitaus größte Veränderung der Rauchgewohnheiten geht auf das Konto der Zigarette. Die Zigarette führte zu einer Industrialisierung der Tabakproduktion. Zigaretten, die im lateinamerikanischen Raum schon im 18. Jahrhundert bekannt waren, wurden in Österreich erstmals 1843 (mit wenig Erfolg) und dann wieder ab 1865 hergestellt. Dieses Jahr markiert auch die Produktion der ersten "wirklichen" Zigarette, die erstmals in Österreich erzeugt wurde. Es handelte sich um die von der Tabakregie erzeugte so genannte "Doppelzigarette", die circa dreimal so lang war als die heutige, an beiden Seiten ein Mundstück trug und vor dem Gebrauch erst in der Mitte entzweigebrochen werden musste. Ab diesem Zeitpunkt stieg der Verbrauch an Zigaretten sprunghaft an.