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QUELLE: http://www.praevention.at

13.11.2020

Nicht Snus, nicht Zigarette: FAQs zu tabakfreien Nikotinprodukten

Seit geraumer Zeit gibt es auch in Österreich immer wieder neue tabakfreie Nikotinprodukte, die unter verschiedenen Markennamen („Skruf“, „Faro“ etc.) im Internet, aber auch in Trafiken, Tankstellen und Gastronomiebetrieben beworben und verkauft werden. Auch viele Jugendliche und junge Erwachsene werden mit trendigen Verpackungen und Geschmacksrichtungen damit angesprochen.

Diesen Herbst erreichten uns am Institut Suchtprävention vermehrt Anfragen von Schulen zum Thema „Nikotinbeutel“. Wir versuchen daher an dieser Stelle die wichtigsten Fragen kurz zu klären. Ein ausführlicheres Fact-Sheet zum Thema Nikotinbeutel folgt in Kürze.

Was sind Nikotinbeutel?
Nikotinbeutel sind nikotinhaltige Produkte ohne Tabak. Sie werden weder erhitzt noch verbrannt, sondern in der Mundhöhle, meist unter der Ober- oder Unterlippe oder auch in der Backentasche platziert. Dort geben sie über unterschiedliche Trägersubstanzen, wie zum Beispiel Salze, das Nikotin an die Mundschleimhaut ab. Nach der Anwendung (meist 10 bis 20 Minuten) werden die Nikotinbeutel entsorgt.

Sind die Nikotinbeutel das Gleiche wie Snus?
Nein, die Nikotinbeutel sehen zwar optisch ähnlich aus und werden auch so angewendet wie Snus (die kleinen Säckchen werden unter die Ober- oder Unterlippe geschoben), aber sie enthalten im Gegensatz zu Snus keinen Tabak, sondern andere Trägerstoffe wie Salze, unterschiedliche Aromen, Feuchthaltemittel und vor allem den Wirkstoff Nikotin.

Haben diese Beutel etwas mit Zigaretten oder E-Zigaretten zu tun?
Nikotinbeutel sind weder Zigaretten noch E-Zigaretten. Sie fallen in keine der Definitionen des aktuell gültigen österreichischen Tabakgesetzes (TNRSG). Nikotinbeutel sind weder „Tabakprodukte“ noch „Verwandte Erzeugnisse“ noch „Kautabak“, aber sie enthalten ebenso wie die genannten Produkte den Wirkstoff Nikotin.

Sind diese Produkte gefährlich?
Nikotin wirkt aufputschend und macht sehr schnell abhängig. Die Nikotinbeutel enthalten zwar keinen Tabak, besitzen aber einen zum Teil sehr hohen Nikotingehalt. Ein Beutel enthält meist zwischen 6 und 11 Milligramm Nikotin. Vor allem bei Erstkonsumenten von Nikotinbeuteln kann es zu Überdosierungen und Nikotinvergiftungen kommen. Diese reichen von leichten Symptomen wie Übelkeit oder Kopfschmerzen bis zu schweren Vergiftungserscheinungen wie etwa einem Kreislaufkollaps.
Achtung: Für Kinder können Nikotinvergiftungen sogar lebensbedrohlich sein!

Dürfen die Nikotinbeutel überhaupt an Kinder und Jugendliche verkauft werden?
Diese Produkte fallen – im Gegensatz zu Snus - nicht unter das Tabakgesetz (TNRSG), weil sie keinen Tabak enthalten. Daher unterliegen diese Produkte auch nicht den im TNRSG geregelten Verkaufs- und Werbeverboten. Das oberösterreichische Jugendschutzgesetz enthält zwar eine Regelung (§ 8, Abs.4), die Jugendlichen die missbräuchliche Verwendung von Stoffen verbietet, „die eine Betäubung, Aufputschung oder Stimulierung herbeiführen können“. Dieses Verbot richtet sich jedoch an die Jugendlichen selbst und richtet sich nicht an den Handel (vorwiegend Internet, Trafiken, Gastronomie, Tankstellen).

Ich möchte nicht, dass an unserer Schule Nikotinbeutel konsumiert werden. Was kann ich tun?
Zunächst ist wohl ein offenes und klärendes Gespräch mit dem Schüler, der Schülerin eine gute Option. Ebenso kann es Sinn machen, im Klassenverband oder in einer kleineren Gruppe das Thema aufzufangen und bearbeitbar zu machen, ohne gleichzeitig unbewusst Alarmismus zu schüren. Gerne können Sie uns in diesem Zusammenhang für eine persönliche Beratung auch kontaktieren.
Ihr Ansprechpartner: DSA Dieter Geigle, MA: dieter.geigle(at)praevention.at

Rechtlich gesehen bieten derzeit beim Besitz oder Umgang mit Nikotinbeutel im Bereich der Schule weder das Tabakgesetz noch die Schulordnung eine juristische Grundlage. Es kann jedoch eine entsprechende Vereinbarung bzw. ein Verbot in der jeweiligen Hausordnung festgelegt werden.